Der Rückstich ist der Stich, mit dem du auf Stoff zeichnest.
Er legt eine durchgehende Linie aus kurzen, gleich langen Stichen, die Ende an Ende liegen, ohne Lücke dazwischen.
Damit stickst du Buchstaben, feine Konturen, Stängel und alles, was du auf Papier mit einem dünnen Fineliner zeichnen würdest.
Unter den Stichen, die du als Anfängerin zuerst lernen solltest, steht er ganz vorn, und das zu Recht: Den Nadelweg hast du in zwei Minuten verstanden, und schon nach einer Linie siehst du, ob deine Stiche gleichmäßig werden.
Der Name verrät den Trick.
Du stickst nicht einfach nach vorn weiter, sondern gehst mit jedem Stich ein Stück zurück und schließt an den vorigen an.
Unter dem Stoff wanderst du dafür doppelt so weit nach vorn.
Wie er sich neben Stielstich, Spaltstich und Kettenstich einordnet, siehst du in der Übersicht über 22 Stickstiche.
Was du für die ersten Linien bereitlegst
Für die ersten Versuche reicht ein fest gewebter Baumwollstoff oder Leinen, straff im Stickrahmen gespannt.
Je dichter und glatter das Gewebe, desto genauer sitzen die Einstiche.
Worauf du bei der Auswahl achten kannst, steht im Beitrag darüber, welcher Stoff sich zum Sticken eignet.
Als Garn nimmst du Sticktwist: zwei Fäden für eine deutliche Linie, drei für eine kräftige, einen einzelnen für winzige Details wie kleine Schrift oder Wimpern.
Wenn du statt Baumwolle lieber mit Seide oder Perlgarn arbeiten willst, hilft dir der Vergleich der Stickgarne bei der Wahl.
Dazu kommt eine Sticknadel mit Spitze, bei zwei bis drei Fäden etwa Größe 7 bis 9, und ein Stift zum Vorzeichnen.
Mehr brauchst du nicht; was sonst noch in eine sinnvolle Grundausstattung gehört, findest du in der Liste mit allem, was du zum Sticken wirklich brauchst.
Auf Aida sieht der Rückstich etwas anders aus.
Dort setzt du jeden Stich über ein Kästchen, meist mit nur einem Faden, als Kontur rund um Kreuzstichflächen.
Statt der spitzen Nadel nimmst du eine stumpfe, weil die Löcher schon da sind.
Der Nadelweg, Stich für Stich
Zeichne die Linie zuerst vor.
Als Richtwert für die Stichlänge gelten 2 bis 4 Millimeter.
Für die erste Probe sind 3 Millimeter angenehm, weil du sie gut abschätzen kannst.
In dieser Anleitung arbeitest du von links nach rechts, die Linie beginnt also links.
- Ausstechen, eine Stichlänge vom Anfang entfernt. Sichere den Faden (wie, steht weiter unten) und stich die Nadel von hinten nach vorn, eine Stichlänge rechts vom Linienanfang, genau auf der Linie. Das ist Punkt 1.
- Zurück zum Linienanfang. Stich am Linienanfang ein, bei Punkt 2. Der Faden liegt jetzt als erster Stich auf der Linie.
- Unter dem Stoff nach vorn. Führe die Nadel auf der Rückseite zwei Stichlängen nach rechts und stich bei Punkt 3 aus, also eine Stichlänge rechts von Punkt 1.
- Zurück ins Loch des ersten Stichs. Stich genau in das Loch von Punkt 1 ein. Der zweite Stich schließt nahtlos an den ersten an.
- Im selben Rhythmus weiter. Immer eine Stichlänge vor dem letzten Stich ausstechen und am Ende des letzten Stichs wieder einstechen. So wächst die Linie Stich für Stich nach rechts.
- Abschließen. Nach dem letzten Einstich bleibt die Nadel auf der Rückseite. Zieh den Faden dort unter drei oder vier Stichen hindurch und schneide ihn knapp ab.
Zwei Züge statt einem: Im Rahmen stichst du jeden Einstich in zwei getrennten Bewegungen, einmal ganz nach hinten durch, einmal ganz nach vorn.
Das ist langsamer, als die Nadel in einem Zug durch den Stoff zu schieben.
Dafür triffst du das alte Loch viel genauer, und der Stoff verzieht sich nicht.
Den Faden sichern, ohne dass hinten ein Knubbel bleibt
Für ein Bild, das im Rahmen an der Wand hängt, ist ein kleiner Knoten am Fadenende völlig in Ordnung.
Auf Kleidung oder einem Kissen drückt er sich aber durch den Stoff und kann beim Waschen herausrutschen.
Dafür gibt es zwei saubere Alternativen.
- Wegwerfknoten: Mach einen Knoten ins Fadenende und stich etwa fünf Zentimeter rechts vom Linienanfang von vorn nach hinten ein, genau auf der Linie, also dort, wo du gleich hinstickst. Der Faden läuft hinten zu Punkt 1, und deine ersten Rückstiche überdecken ihn und halten ihn fest. Sobald du am Knoten angekommen bist, schneidest du ihn vorn ab.
- Schlaufenanfang: Klappt nur mit einer geraden Fadenzahl, zum Beispiel zwei. Nimm einen einzelnen Faden in doppelter Länge, leg ihn zur Hälfte und fädle beide Enden ein. Beim Ausstechen bei Punkt 1 bleibt die Schlaufe hinten hängen. Nach dem Einstich bei Punkt 2 führst du die Nadel hinten durch diese Schlaufe und ziehst an. Der Faden sitzt fest, ganz ohne Knoten.
Gleichmäßig durch Kurven und Ecken
Auf einer Geraden darf ein Stich ruhig 4 Millimeter lang sein.
In einer Kurve schneidet er aber wie eine Sehne über den Bogen, und aus deinem Kreis wird ein Vieleck.
Kürze die Stiche deshalb, sobald sich die Linie biegt: In sanften Bögen genügen 2 bis 3 Millimeter, in engen Rundungen wie bei einem kleinen e oder einer Blütenspitze eher 1,5 Millimeter.
Werde dabei allmählich kürzer, statt von einem Stich zum nächsten zu springen, sonst fällt der Wechsel sofort auf.
Bei einer spitzen Ecke gehört ein Einstich genau auf die Ecke.
Rechne beim Zulaufen also mit und mach die letzten zwei Stiche davor lieber etwas kürzer, als die Ecke abzurunden.
Dann knickt die Linie scharf ab, so wie du sie gezeichnet hast.
Ob eine Linie am Ende ruhig wirkt, hängt weniger an der exakten Länge als an der Gleichmäßigkeit.
Lieber alle Stiche 3 Millimeter lang als abwechselnd 2 und 4.
Ein Blick auf die Rückseite
Dreh den Rahmen nach den ersten Zentimetern ruhig einmal um.
Hinten liegen längere Stiche, jeder doppelt so lang wie vorn, und sie überlappen sich um je eine Stichlänge.
Das sieht aus wie eine leicht gedrehte Schnur und erinnert an einen Stielstich.
Genau so soll es sein.
Für den Garnverbrauch heißt das: Pro Zentimeter Linie brauchst du rund drei Zentimeter Faden, einen vorn und zwei hinten, dazu etwas für Anfang und Ende.
Schneid den Faden trotzdem nicht länger als etwa 40 bis 50 Zentimeter ab.
Ein längerer Faden raut beim ständigen Durchziehen auf und verdreht sich.
Auf hellem, dünnem Stoff wie Batist oder Musselin scheint alles durch, was hinten liegt.
Spring deshalb nicht von einer Linie zur nächsten, wenn dazwischen mehr als etwa zwei Zentimeter leerer Stoff liegen.
Sichere den Faden lieber und fang neu an.
Woran es meistens hakt
- Zwischen den Stichen blitzen Lücken. Die Nadel ist neben statt in das Loch des vorigen Stichs gegangen. Stich bewusst ins Ende des letzten Stichs und schau notfalls kurz von der Seite auf den Stoff.
- Die Linie wirkt wackelig. Meist sind die Stiche unterschiedlich lang, oder der Stoff hängt locker im Rahmen. Spann ihn straff wie eine Trommel und bleib bei einer Stichlänge.
- Der Stoff kräuselt sich entlang der Linie. Du ziehst jeden Stich zu fest an. Der Faden soll flach auf dem Stoff liegen, ohne ihn zusammenzuziehen.
- Die Stiche sehen zerfasert aus. Der Faden ist zu lang oder hat sich verdreht. Lass die Nadel zwischendurch frei hängen, dann dreht er sich von selbst wieder auf.
- Der Einstich spaltet den vorigen Stich. Mit mehreren Fäden passiert das schnell, wenn du nicht ins Loch, sondern in den Faden stichst. Für eine glatte Rückstichlinie bleibst du im Loch; der gespaltene Faden gehört zum Spaltstich.
Wenn dir die schlichte Linie zu schlicht ist
Beim umwickelten Rückstich stickst du zuerst eine ganz normale Linie.
Dann führst du einen zweiten Faden, gern in einer anderen Farbe, unter jedem Stich hindurch, immer von derselben Seite und ohne in den Stoff zu stechen.
Die Linie wird runder und wirkt wie eine feine Kordel.
Nimm dafür eine stumpfe Nadel, damit du die Rückstiche nicht anstichst.
Noch verspielter wird es, wenn du den zweiten Faden abwechselnd von oben und von unten unter den Stichen durchziehst.
Dann legt er sich in kleinen Wellen um die Linie.
Ein dritter Faden, der die Wellen von der Gegenseite ergänzt, macht daraus eine Kette aus Schlaufen.
Das wirkt besonders in starkem Kontrast, etwa Senfgelb um Dunkelblau.
Wenn du den Stich gleich an einem echten Motiv ausprobieren willst: Schriftzüge sind sein Kernrevier, und unter den Ideen für Schrift und Buchstaben findest du genug Stoff zum Üben.
Auch minimalistische Stickereien mit feinen, einfarbigen Linien kommen oft fast ohne einen anderen Stich aus.










