Knötchenstich sticken, ohne dass er verrutscht

Gelbe Knötchenstiche als Blütenmitte auf hellem Leinen im Holzstickrahmen, daneben Sticktwist und Nadel

Ob ein Knötchenstich gelingt, entscheidet sich in dem Moment, in dem die Nadel wieder im Stoff verschwindet.

Bis dahin ist er nur ein Faden, der lose um eine Nadel liegt.

Erst wenn du die Wicklungen straff am Stoff hältst und die Nadel knapp neben ihrer Austrittsstelle durchziehst, wird daraus ein runder Knoten, der dort bleibt, wo er hingehört.

Damit er nicht verrutscht, brauchst du drei Dinge: eine Einstichstelle dicht neben dem Austritt, aber nie im selben Loch, einen Faden, den du bis zum Schluss gespannt hältst, und höchstens zwei Wicklungen.

Der Rest ist Übung.

Den Stich kennst du vielleicht auch als Französischen Knoten, gemeint ist derselbe.

In der Lernreihenfolge für Anfängerstiche kommt er bewusst nach den Linienstichen, weil er dir vor allem eines abverlangt: Gefühl für die Fadenspannung.

Warum du hier beide Hände frei brauchst

Beim Knötchenstich hält eine Hand den Faden, die andere führt die Nadel.

Für den Stoff bleibt keine Hand übrig, deshalb gehört er in einen Rahmen und muss dort trommelstraff sitzen.

Gibt der Stoff nach, sinkt der Knoten beim Festziehen ein oder wandert zur Seite.

Ein einfacher Holzrahmen reicht, wie er auch zur Grundausstattung zum Sticken gehört.

Bei der Nadel lohnt sich ein genauer Blick.

Die Wicklungen müssen über das Öhr gleiten, wenn du die Nadel durchziehst.

Bei einer normalen Sticknadel ist das Öhr breiter als der Schaft, und genau dort bleiben enge Wicklungen gern hängen.

Eine Strohnadel hat ein Öhr, das nicht dicker ist als der Schaft, und rutscht deshalb mühelos durch.

Für zwei bis drei Fäden Sticktwist passt eine Stärke zwischen 7 und 9.

Mit einer spitzen Sticknadel geht es auch, du darfst dann nur nicht zu fest wickeln.

Beim Garn ist Sticktwist der Standard, meist mit zwei oder drei der sechs Einzelfäden.

Perlgarn ergibt besonders runde, glänzende Knoten, weil es gedreht ist und sich nicht aufspaltet.

Wolle macht weiche, etwas flauschige Knötchen.

Wie sich die Fasern sonst unterscheiden, steht in den Unterschieden zwischen Baumwoll-, Seiden- und Wollgarn.

Am leichtesten gelingt der Stich auf dicht gewebter Baumwolle oder Leinen.

Auf Aida musst du aufpassen: Die Löcher sind so groß, dass ein Knoten einfach hindurchrutscht.

Stich dort nicht in ein Loch, sondern durch das Gewebe eines Kästchens.

Mehr dazu, welche Stoffe sich zum Sticken eignen, findest du in einem eigenen Beitrag.

Ein Knoten in sechs Handgriffen

Die drei Zeichnungen zeigen den Ablauf, darunter steht jeder Handgriff einzeln.

Rechtshänderinnen halten den Faden mit links, Linkshänderinnen umgekehrt.

Zeichnung Knötchenstich: Faden kommt bei Punkt 1 hoch und wird zweimal um die Nadel gewickelt
Hochkommen, Nadel vor den Faden legen, ein- bis zweimal wickeln.
Zeichnung Knötchenstich: Einstichstelle einen Gewebefaden neben dem Austritt, nicht im selben Loch
Punkt 2 liegt einen Gewebefaden neben Punkt 1.
Zeichnung Knötchenstich in Seitenansicht: Wicklungen liegen auf dem Stoff, Nadel wird nach unten durchgezogen
Wicklungen auf den Stoff schieben, Faden straff halten, Nadel durchziehen.
  1. Hol den Faden an der Stelle nach oben, an der der Knoten sitzen soll (Punkt 1), und zieh ihn ganz durch.
  2. Fass den Faden etwa fünf Zentimeter über dem Stoff mit Daumen und Zeigefinger der freien Hand und halte ihn leicht gespannt. Leg die Nadel vor den Faden, die Spitze zeigt zu ihm hin.
  3. Wickel den Faden ein- oder zweimal um die Nadel, nah an der Spitze. Die Wicklungen sollen anliegen, aber die Nadel muss sich darin noch bewegen lassen.
  4. Dreh die Nadelspitze zum Stoff und setz sie dicht neben Punkt 1 auf, etwa einen Gewebefaden daneben (Punkt 2). Nicht ins selbe Loch.
  5. Stich die Nadel senkrecht ein kleines Stück ein, bis sie hält. Schieb die Wicklungen mit der Fadenhand bis auf den Stoff hinunter und zieh den Faden so an, dass sie eng um die Nadel liegen.
  6. Halte diese Spannung und zieh die Nadel von der Rückseite langsam durch. Lass den Faden erst los, wenn oben nur noch eine kleine Schlaufe steht, und zieh dann sanft weiter, bis der Knoten aufliegt. Ab da nicht mehr ziehen.

In welche Richtung du wickelst, spielt für den einzelnen Knoten kaum eine Rolle.

Bleib aber bei einer Richtung, dann sehen die Knötchen nebeneinander gleich aus.

Wenn der Knoten nicht macht, was er soll

Fast jedes Problem beim Knötchenstich lässt sich am fertigen Knoten ablesen.

Die Zeichnung zeigt die drei häufigsten Ergebnisse nebeneinander.

Zeichnung: runder Knötchenstich, durchgerutschter Knoten und lose Schlaufe im Vergleich
Links gelungen, Mitte durchgerutscht, rechts zu früh losgelassen.

Er verschwindet auf der Rückseite

Dann ist die Nadel ins selbe Loch zurückgegangen, durch das der Faden kam.

Der Knoten hat keinen Gewebefaden, an dem er sich festhalten kann, und rutscht hindurch.

Dasselbe passiert in den Löchern von Aida oder lockerem Leinen.

Setz die Nadel einen Gewebefaden weiter auf.

Und zieh am Ende nicht nach, wenn der Knoten schon aufliegt.

Statt eines Knotens steht eine lose Schlaufe

Der Faden war im letzten Moment nicht mehr gespannt, meistens weil die Fadenhand zu früh losgelassen hat.

Die Wicklungen rutschen dann auseinander, bevor sie sich um den Faden schließen.

Zieh den Faden vorsichtig von hinten zurück, solange der Knoten noch locker ist, und setz ihn neu.

Halte beim nächsten Versuch fest, bis oben nur noch ein kleiner Bogen übrig ist.

Die Nadel steckt in den Wicklungen fest

Du hast zu straff gewickelt, oder das Öhr ist breiter als der Schaft.

Lockere die Wicklungen mit der Fadenhand einen Hauch, dann gleitet die Nadel wieder.

Wenn das bei jedem Knoten passiert, wechsle zur Strohnadel.

Der Knoten liegt schräg und zeigt einen kleinen Steg

Diesmal war die Einstichstelle zu weit vom Austritt entfernt.

Zwischen den beiden Punkten spannt sich ein kurzer Faden, und der Knoten kippt zur Seite.

Ein Gewebefaden Abstand reicht völlig, bei feinem Stoff auch zwei.

Die Knötchen sind unterschiedlich groß

Meistens wechselt die Zahl der Wicklungen oder die Spannung von Knoten zu Knoten.

Leg dich vorher fest, wie oft du wickelst, und halte den Faden immer ungefähr gleich weit über dem Stoff.

Wenn ein Motiv bewusst große und kleine Knoten haben soll, steuerst du das über die Fadenzahl, dazu unten mehr.

Der Knoten sieht fusselig aus

Jeder Knoten scheuert den Faden, weil er durch die Wicklungen gezogen wird.

Ein Faden, der schon viele Knoten gemacht hat, raut auf und verdreht sich.

Arbeite mit etwa 40 bis 50 Zentimetern und lass die Nadel zwischendurch frei hängen, damit sich der Faden wieder entdreht.

Viele Knötchen dicht an dicht

Einzeln ist der Knötchenstich ein Punkt: ein Auge, ein Stempel, eine Beere.

Dicht an dicht gesetzt wird er zu einer Fläche mit Struktur, etwa für die Mitte einer Sonnenblume, Mimosen, Flieder oder das Fell eines Schafs.

Setz die Knoten dafür so eng, dass sie sich berühren, und nicht in geraden Reihen, sondern versetzt.

Dann wirkt die Fläche gewachsen statt gestempelt.

Fang bei Flächen am Rand an und arbeite dich nach innen.

So bleibt die Kontur sauber, und die letzten Knoten finden in der Mitte immer noch Platz.

Wenn du Fadenstärken mischst, etwa drei Fäden am Rand und sechs in der Mitte, entsteht eine leichte Wölbung.

Das ist der einfachste Einstieg in plastisches Sticken, wie du es aus der 3D- und Reliefstickerei kennst.

Auf der Rückseite läuft der Faden von Knoten zu Knoten.

Bleib bei Sprüngen unter etwa einem bis zwei Zentimetern, sonst scheint der Faden auf hellem Stoff durch und kann beim Festziehen eines späteren Knotens mitgezogen werden.

Bei größeren Abständen führst du ihn hinten unter schon gestickten Stichen entlang.

In Blumenmotiven trifft der Knötchenstich fast immer auf andere Stiche.

Klassisch sind Knoten als Blütenmitte zwischen Blütenblättern, die du im Plattstich glatt und ohne Lücken füllst, und ein Stängel im gleichmäßigen Stielstich.

Setz die Knoten dabei zuletzt, sonst verhakt sich der Faden der späteren Stiche an ihnen.

Ideen, wo solche Blütenmitten hinpassen, sammeln sich bei den gestickten Blumen und Pflanzen.

Wenn dir die Knoten in einer dichten Fläche trotz allem immer wieder durchrutschen, lohnt ein Blick auf den Kolonialknoten.

Er wird in einer Achterschlinge gewickelt und sitzt dadurch etwas fester.

Du findest ihn in der Übersicht über 22 Stickstiche direkt neben dem Knötchenstich.

Wie groß das Knötchen wird

Die Größe steuerst du über das Garn, nicht über die Wicklungen.

Ab drei Wicklungen wird der Knoten nicht größer, sondern lockerer und unregelmäßiger, weil sich die Windungen nicht mehr sauber um den Faden legen.

Bleib also bei ein bis zwei Wicklungen und greif für einen dickeren Knoten zu mehr Fäden oder einem dickeren Garn.

Für sechs Fäden Sticktwist, Perlgarn oder Wolle brauchst du eine entsprechend kräftigere Nadel.

GarnWicklungenSo wirkt der KnotenPasst zu
1 Faden Sticktwist1winziger Punkt, kaum erhabenPupillen, Sommersprossen, feine Staubgefäße
2 Fäden Sticktwist1–2kleiner, klar umrissener KnotenBlütenstempel, Streupunkte, i-Punkte
3 Fäden Sticktwist2runder Knoten mit deutlicher HöheBlütenmitten, Beeren, Knospen
6 Fäden Sticktwist1–2großer, etwas weicherer KnotenMimosen, Flächen wie Schafwolle
Perlgarn1–2sehr rund, glänzend und festBeeren, Perlenoptik, Bordüren
Wollgarn1–2weich und flauschigLammfell, Moos, Knoten auf Filz
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