Auf dem Papier ist der Plattstich der einfachste Stich überhaupt: ein Faden von einer Kante zur anderen, daneben der nächste, bis die Form voll ist.
Beim Sticken zeigt er dafür jede Ungenauigkeit, und die häufigste ist der Stoff, der zwischen den Fäden durchblitzt.
Lücken haben fast immer einen von drei Gründen: Die Stiche liegen nicht dicht genug, der Faden ist verdreht, oder die Form hat keine feste Kante, an der jeder Stich sauber ansetzt.
Alle drei lassen sich vermeiden, bevor der erste Stich sitzt.
Wenn du schon gleichmäßige Linien im Stielstich stickst, hast du das Gefühl für saubere Abstände bereits in der Hand.
Beim Plattstich kommt vor allem eine Frage dazu: wie lang ein Stich überhaupt sein darf.
Bis zu welcher Größe der Plattstich trägt
Ein Plattstich hält, solange er kurz genug ist, um flach auf dem Stoff zu liegen.
Als Faustregel bleibt die Fläche bis etwa 1 cm Stichlänge glatt.
Darüber hängen die Fäden durch, rutschen auseinander und bleiben an Fingernägeln, Reißverschlüssen oder in der Wäsche hängen.
Ein Blatt von 2 cm Breite ist deshalb kein Problem, wenn du jede Blatthälfte für sich stickst und die Stiche schräg von der Mittelrippe zum Rand laufen.
Ein Kreis mit 3 cm Durchmesser braucht dagegen eine Teilung in mehrere Segmente oder einen anderen Stich.
Für große Flächen und Farbverläufe ist der Lang-und-Kurz-Stich die bessere Wahl, weil er die Fläche in verzahnte Reihen aufteilt, das Grundprinzip der Nadelmalerei.
Welcher Stich bei welcher Form sinnvoll ist, zeigt dir der Überblick über 22 Stickstiche und ihre Einsatzgebiete.
Der Plattstich bleibt dein Stich für Blätter, Beeren, Blütenblätter, kleine Buchstaben und alles, was glatt glänzen soll, also genau die Formen, aus denen viele Blumen- und Pflanzenmotive bestehen.
Garn, Nadel und Stoff entscheiden über die Glätte
Den größten Einfluss hat die Fadenzahl.
Sticktwist besteht aus sechs dünnen Einzelfäden, und für Plattstich nimmst du meist nur einen oder zwei davon.
Mit wenigen Fäden legen sich die Stiche flach aneinander wie bei einem Satinband.
Mit vier oder sechs Fäden werden sie rundlich, und zwischen runden Strängen bleiben eher Lücken.
Drei Fäden geben mehr Volumen, verlangen aber, dass du noch genauer auf die Dichte achtest.
Seidengarn und Perlgarn glänzen stärker als Sticktwist und verzeihen weniger, weil jede Unregelmäßigkeit im Licht auffällt.
Wie sich die Fasern im Griff und im Glanz unterscheiden, steht im Vergleich von Baumwoll-, Seiden- und Wollgarnen.
Die Nadel sollte spitz sein und zum Faden passen: Je feiner der Faden, desto höher die Nummer, etwa Größe 9 bis 10 für einen oder zwei Fäden und 7 bis 8 für drei.
Eine zu dicke Nadel stanzt Löcher, die größer sind als der Faden, und genau dort wirkt die Kante später ausgefranst.
Der Stoff sollte dicht gewebt sein, zum Beispiel Baumwolle oder Leinen ohne grobe Struktur, denn auf lockerem Gewebe rutschen die Fäden zwischen die Webfäden.
Mehr dazu findest du im Beitrag über den passenden Stoff zum Sticken.
Ein Rahmen, in dem der Stoff straff sitzt, gehört wie bei jedem Projekt zur Grundausstattung zum Sticken, sonst zieht sich die Fläche beim Füllen zusammen.
Die Form vorbereiten, bevor du füllst
Zeichne die Form mit einem Stift vor, der sich später entfernen lässt, und zieh zusätzlich ein paar Richtungslinien quer hindurch.
Sie zeigen, in welchem Winkel die Stiche laufen sollen.
Bei einem schmalen Blatt laufen sie schräg über die ganze Breite, bei einer Beere oder einem Kreis quer über die schmalste Seite.
Ohne diese Linien kippt die Richtung nach ein paar Stichen fast immer, und an der Außenseite der Form gehen die Stiche auseinander.
Danach kommt die Kontur.
Am besten eignet sich der Spaltstich: eine Linie aus kurzen Stichen, bei der die Nadel jedes Mal mitten durch den Faden des vorigen Stichs nach oben kommt.
Mit zwei oder vier Fäden lässt sich der Faden dabei sauber teilen.
Ein feiner Stielstich oder Rückstich funktioniert auch.
Die Kontur hebt die Kante leicht an, und weil jeder Plattstich knapp außerhalb davon einsticht, bekommt die Fläche einen klaren Rand statt einer Zickzacklinie.
Schritt für Schritt zur geschlossenen Fläche
- Hol die Nadel an der breitesten Stelle der Form nach oben, knapp außerhalb der Kontur. Der Faden folgt dem Winkel deiner Richtungslinie.
- Stich auf der gegenüberliegenden Seite ein, ebenfalls knapp außerhalb der Kontur. Zieh den Faden an, bis er flach aufliegt, ohne den Stoff zusammenzuziehen.
- Komm für den nächsten Stich direkt neben dem ersten nach oben, auf derselben Seite wie zuvor. Der Abstand ist so klein, dass sich die Fäden berühren. Stich dabei weder durch den vorigen Faden noch ins selbe Loch.
- Stich wieder gegenüber ein, parallel zum vorigen Stich. So arbeitest du dich bis zu einer Spitze der Form vor und kommst immer auf derselben Seite hoch.
- Ist die erste Hälfte voll, führst du den Faden auf der Rückseite unter den Stichen hindurch zurück zur Mitte und stickst die zweite Hälfte bis zur anderen Spitze.
- Zum Vernähen ziehst du den Faden auf der Rückseite unter einigen Stichen hindurch und schneidest ihn knapp ab.
Der Start in der Mitte hat einen einfachen Grund: Der erste Stich legt den Winkel fest, und an der breitesten Stelle siehst du am leichtesten, ob er stimmt.
Fängst du an einer Spitze an, merkst du einen schiefen Winkel oft erst, wenn die halbe Form gefüllt ist.
Dass du immer auf derselben Seite nach oben kommst, sorgt dafür, dass auch auf der Rückseite unter jedem Stich ein Faden liegt.
Die Fläche bekommt dadurch Halt und liegt minimal gepolstert, und die Spannung bleibt leichter gleichmäßig.
Fäden einzeln ziehen: Zieh die benötigten Fäden einzeln aus dem Sticktwist und leg sie danach wieder zusammen.
Sie liegen dann parallel statt umeinander gewickelt und decken spürbar besser.
Dreht sich der Faden beim Sticken trotzdem ein, lass die Nadel kurz frei hängen, bis er sich von selbst zurückdreht.
Wenn trotzdem Stoff durchschimmert
Lücken sehen nicht alle gleich aus, und wo sie auftauchen, verrät meistens schon die Ursache.
| Was du siehst | Woran es liegt | Was hilft |
|---|---|---|
| Feine Linien zwischen einzelnen Stichen | Stiche zu weit auseinander oder Faden verdreht | Näher ansetzen, Fäden einzeln ziehen, Nadel ab und zu hängen lassen |
| Lücken nur an der Außenkante einer Rundung | Stiche liegen innen dicht und laufen außen fächerförmig auseinander | Keilstiche einsetzen |
| Ausgefranster, welliger Rand | Keine Kontur, die Nadel trifft nicht immer dieselbe Linie | Kontur im Spaltstich vorsticken, knapp außerhalb einstechen |
| Nach dem Ausspannen klaffen Lücken | Faden zu straff angezogen oder Stoff zu locker im Rahmen | Fäden nur auflegen, nicht ziehen, Stoff straff spannen |
| Einzelne Stiche stehen ab oder verrutschen | Stiche länger als etwa 1 cm | Form teilen oder Lang-und-Kurz-Stich nehmen |
| Heller Stoff schimmert durch dunkles Garn | Ein einzelner Faden deckt nicht genug | Einen zweiten Faden dazunehmen oder die Fläche unterpolstern |
Rundungen, ohne dass die Stiche auffächern
Bei einem Halbmond, einem gebogenen Blatt oder einem Buchstaben wie C ist die Außenkante länger als die Innenkante.
Setzt du die Stiche innen dicht nebeneinander, gehen sie außen zwangsläufig auseinander.
Die Lösung sind Keilstiche: kürzere Stiche, die an der Außenkante beginnen und nur bis etwa zur Mitte der Form reichen.
Du setzt sie zwischen die langen Stiche, sobald außen eine Lücke entsteht, und stichst am inneren Ende knapp unter einen Nachbarstich, damit das Ende darunter verschwindet.
Wie oft du einen Keilstich brauchst, hängt von der Krümmung ab.
Bei einer sanften Kurve reicht einer nach jedem dritten oder vierten Stich, bei einer engen fast nach jedem.
Dreh den Stickrahmen dabei mit, damit die Richtungslinie immer gerade vor dir liegt.
Gepolsterter Plattstich für mehr Relief
Eine Unterlage macht den Plattstich plastisch und hilft gleichzeitig gegen Lücken, weil die Deckschicht auf einer festen Basis liegt statt direkt auf dem Stoff.
Bei Beeren, Monogrammen und Blütenmitten lohnt sich das besonders.
Stick zuerst die Kontur im Spaltstich.
Füll die Form dann innerhalb dieser Kontur mit einer Lage Plattstiche quer zur späteren Stichrichtung, oder mit dicht gesetzten Reihen im Kettenstich als weiches Polster.
Darüber kommt die Deckschicht im rechten Winkel zur Unterlage, wie gewohnt knapp außerhalb der Kontur eingestochen.
Für die Unterlage nimmst du am besten dieselbe Farbe wie für die Deckschicht, dann fällt eine kleine Lücke kaum auf.
Für noch mehr Höhe stickst du mehrere Polsterlagen übereinander.
Fang mit der kleinsten Lage in der Mitte an und mach jede weitere etwas größer, jeweils quer zur vorherigen.
So steigt die Fläche zur Mitte hin sanft an, und die Deckschicht legt sich ohne Stufen darüber.
Auf Kleidung und allem, was oft gewaschen wird, hältst du die Stiche lieber deutlich unter einem Zentimeter und verzichtest auf hohe Polster.
Lange, erhabene Fäden scheuern zuerst durch und verhaken sich in der Waschmaschine.
Was auf der Rückseite passiert
Beim Plattstich liegt auf der Rückseite fast genauso viel Garn wie vorne, weil jeder Stich unten zur Startkante zurückläuft.
Eine gefüllte Fläche verbraucht deshalb deutlich mehr Garn als jede Linie.
Bei größeren Motiven lohnt es sich, von der Hauptfarbe gleich eine zweite Docke zu kaufen, weil verschiedene Färbepartien leicht voneinander abweichen können.
Eine volle Rückseite ist also kein Fehler, sondern gehört dazu.
Unordentlich wird sie nur durch lange Sprünge zwischen getrennten Flächen.
Liegen zwei Formen mehr als etwa 2 cm auseinander, vernähst du den Faden besser und fängst neu an, statt ihn quer über die Rückseite zu führen.
Auf hellem Stoff schimmert so ein Spannfaden sonst nach vorne durch.










