Stiche für Blumen: Welcher Stich zu welcher Blüte passt

Gestickte Wiesenblumen mit Margeritenstich-Blüten und Knötchenmitten auf salbeigrünem Leinen neben echten Kornblumen

Ein Gänseblümchen braucht drei Stiche: etwa ein Dutzend Margeritenstiche im Kreis für die weißen Blütenblätter, ein paar dicht gesetzte gelbe Knötchen für die Mitte und eine Linie im Stielstich für den Stängel.

So sind fast alle gestickten Blumen gebaut.

Es gibt nicht den einen Blumenstich, sondern mehrere Stiche, von denen jeder einen Teil der Pflanze übernimmt.

Die Stiche für Blumen, die am meisten leisten, sind überschaubar: Margeritenstich für schmale Blütenblätter, Plattstich für kleine runde, Lang-und-Kurz-Stich für große mit Farbverlauf, Knötchenstich für Mitten und winzige Blüten, der gewebte Radstich für Rosen, dazu Stielstich und Fischgrätstich für Stängel und Blätter.

Mit diesen sieben kommst du durch fast jede Vorlage.

Welcher davon an eine Stelle gehört, entscheidet nicht der Name der Blume, sondern die Form des einzelnen Teils.

Ist das Blütenblatt schmal oder breit, kleiner oder größer als etwa einen Zentimeter, soll es glatt glänzen oder von Hell nach Dunkel verlaufen?

Wenn du eine Blume so zerlegst, findest du auch für Sorten, die in keiner Anleitung stehen, die passenden Stiche.

Zuerst auf das Blütenblatt schauen

Grob gibt es vier Formen von Blütenblättern, und jede hat ihren Stich.

Wie die Stiche grundsätzlich funktionieren, steht in der Übersicht über 22 Stickstiche und ihre Aufgaben.

Hier geht es darum, wo sie in der Blume sitzen.

Diagramm: vier Formen von Blütenblättern und der passende Stich – schmal, klein und rund, groß mit Verlauf, aufgerollte Rose
Die Form des Blütenblatts entscheidet über den Stich, nicht der Name der Blume.

Zwischen diesen Formen gibt es Übergänge.

Ein Blütenblatt, das für eine einzelne Schlinge etwas zu breit ist, füllst du, indem du einen geraden Stich in die Schlinge setzt.

Ein Plattstich-Blatt, das über einen Zentimeter hinauswächst, teilst du in zwei Hälften oder stickst es im Lang-und-Kurz-Stich.

Diese Grenze von etwa einem Zentimeter ist die wichtigste Zahl bei Blumen: Darüber liegen glatte Stiche locker und bleiben an allem hängen.

Margeritenstich: eine Schlinge, ein Blütenblatt

Kein anderer Stich bringt so schnell eine Blume auf den Stoff.

Eine einzige Schlinge ergibt ein Blütenblatt, fünf oder sechs im Kreis eine ganze Blüte.

Du findest ihn auch unter den Namen einzelner Kettenstich oder Lazy Daisy.

  1. Hol die Nadel am inneren Ende des Blütenblatts nach oben, also dort, wo es an die Blütenmitte stößt.
  2. Stich direkt daneben wieder ein, ins selbe Loch oder einen Gewebefaden daneben, und lass die Nadelspitze an der Spitze des Blütenblatts wieder herauskommen, ohne sie schon durchzuziehen.
  3. Leg den Faden in einem Bogen unter die Nadelspitze und zieh die Nadel durch. Zieh nur so weit an, bis die Schlinge die Form des Blütenblatts hat, nicht flach.
  4. Stich direkt jenseits der Schlinge an der Spitze ein. Dieser kleine Haltestich hält die Schlinge fest.
Diagramm: Nadelweg beim Margeritenstich mit Schlinge und Haltestich, daneben eine Blüte aus fünf Schlingen
Links der Nadelweg: 1 und 2 liegen am Blütenansatz, 3 an der Spitze, 4 ist der Haltestich. Rechts fünf Schlingen um eine Mitte.

Mit zwei bis drei Fäden Sticktwist werden die Blütenblätter zart, mit Perlgarn deutlich runder und plastischer.

Wenn die Schlinge verdreht liegt, hat sich meist der Faden beim Anziehen gedreht.

Lass die Nadel kurz frei hängen, bevor du den nächsten Stich setzt.

Gleichmäßig im Kreis: Setz die ersten vier Blütenblätter wie die Zahlen 12, 6, 3 und 9 auf einem Zifferblatt und füll erst danach die Lücken.

So verteilen sich die Blätter rund um die Mitte, und keine Seite wird zu voll.

Drei Abwandlungen machen aus dem Grundstich viele Blumen.

Setz einen geraden Stich in einer zweiten Farbe in die Schlinge, wirkt das Blatt gefüllt.

Eine kleine Schlinge in einer größeren ergibt ein Blütenblatt mit Rand.

Und wenn du den Haltestich lang ziehst, wird er zum Stiel einer Knospe.

Winzige Margeritenstiche paarweise an einem Stängel entlang ergeben übrigens Lavendel.

Plattstich für kleine, glatte Blüten

Wo ein Blütenblatt rund, klein und geschlossen wirken soll, ist der Plattstich richtig: bei Vergissmeinnicht, Maiglöckchenglocken, Knospen und Beeren.

Gut gestickt glänzt die Fläche wie Seide, und genau das macht ihn für Blüten so dankbar.

Bei Blütenblättern lohnt es sich, die Stichrichtung nicht quer, sondern schräg zur Blütenmitte hin zu legen.

Dann scheinen die Blätter aus der Mitte zu wachsen, statt wie Plättchen aufgeklebt zu wirken.

Beginn in der Mitte des Blütenblatts mit einem Stich in dieser Richtung und arbeite dich zu einer Seite hin, dann zur anderen.

Eine Kontur im Spaltstich vorher macht die Kante scharf, und wie du die Fläche ohne Lücken deckst, erklärt die Anleitung für einen lückenlosen Plattstich.

Für ein etwas gewölbtes Blütenblatt stickst du darunter eine Lage kurzer Stiche quer zur späteren Richtung und deckst sie mit dem Plattstich ab.

Das reicht schon für einen deutlichen Schatten an der Kante.

Große Blütenblätter mit Verlauf

Mohn, Tulpe, Pfingstrose oder Magnolie haben Blütenblätter, die weit über einen Zentimeter groß sind und selten nur eine Farbe haben.

Hier ist der Lang-und-Kurz-Stich der Stich der Wahl.

Die erste Reihe wechselt an der äußeren Kante zwischen langen und kurzen Stichen, die nächsten Reihen stechen in die vorige hinein und tragen den nächsten Farbton.

Entscheidend ist bei Blüten die Richtung.

Alle Stiche zeigen zum Ansatz des Blütenblatts, also dorthin, wo es aus der Blüte wächst.

Zeichne dir zwei, drei solcher Richtungslinien mit dem Trickmarker vor, dann fächern die Stiche sich wie die Adern des echten Blatts auf.

Mit einem Faden werden die Übergänge am weichsten, mit zwei Fäden geht es schneller, und drei Farbtöne pro Blütenblatt reichen für einen sichtbaren Verlauf.

Für die erste Blume in dieser Technik würde ich eine Tulpe nehmen: drei Blütenblätter, eine klare Form, und schon zwei Töne ergeben einen schönen Verlauf.

Wie sich der Stich auf noch größeren Flächen verhält und was er an Zeit kostet, steht im Beitrag über Füllstiche für große Formen.

Rosen, die sich öffnen

Für Rosen gibt es gleich drei Stiche, die von sich aus eine runde, aufgehende Blüte formen.

Der einfachste ist der gewebte Radstich.

Fünf Speichen bilden das Gerüst, und der Faden wird darüber und darunter im Kreis gewebt, bis eine runde, plastische Rose entsteht.

Wie das Gerüst sitzt und wann die Rose voll genug ist, zeigt die Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Spinnenrad-Rose.

Für den Anfang ist das der Stich, den ich jedem empfehle.

Flacher, aber genauso schnell wird eine Rose aus einer Spirale im Kettenstich.

Du beginnst in der Mitte mit kleinen Kettengliedern und arbeitest dich in einer Spirale nach außen, wobei die Glieder mit jeder Runde etwas länger werden dürfen.

Wie die Kettenglieder gleichmäßig werden, erklärt die Kettenstich-Anleitung mit Zeichnungen.

Am feinsten wirken Rosen aus Wickelstichen.

Zwei, drei kurze Wickelstiche bilden die Mitte, längere legen sich in Bögen darum.

Dafür brauchst du eine Strohnadel und ein paar Probestiche, bis die Wicklungen gleichmäßig liegen.

Schlingen, Rosen und Knoten stehen vom Stoff ab und können hängen bleiben.

Auf Kleidung, die oft gewaschen wird, setzt du sie besser sparsam ein, etwa als einzelne Rose am Kragen statt als ganzer Strauß auf dem Ärmel.

Mitten, Dolden und Blüten aus Punkten

Der Knötchenstich taucht in fast jedem Blumenmotiv auf.

Als Blütenmitte reicht oft ein einzelner Knoten in einer Kontrastfarbe; bei einer Sonnenblume oder einem Gänseblümchen werden daraus dicht gesetzte Knötchen, die eine gewölbte Fläche bilden.

Manche Blumen bestehen sogar ganz aus Knoten.

Flieder, Hortensie, Schafgarbe und Mimose sind Dolden aus vielen kleinen Blüten, und genau so stickst du sie: als Haufen von Knötchen in zwei oder drei nah verwandten Tönen, außen etwas lockerer, zur Mitte hin dichter.

Ein Vergissmeinnicht entsteht aus fünf blauen Knötchen um ein gelbes.

Die Größe der Knoten steuerst du über die Fadenzahl, nicht über mehr Wicklungen.

Wie viele Fäden du wofür nimmst, steht im Beitrag über die richtige Fadenzahl beim Sticken, und warum ein Knoten manchmal durch den Stoff rutscht, erklärt die Anleitung für Knötchen, die nicht verrutschen.

Was die Blüte trägt

Stängel

Für Stängel ist der Stielstich der Klassiker, weil er sich als leicht gedrehte Linie weich um jede Kurve legt.

Wie die Linie gleichmäßig bleibt, zeigt die Anleitung zum Stielstich für weiche Kurven.

Für einen kräftigeren Stängel stickst du zwei Reihen Stielstich dicht nebeneinander.

Sehr feine Stiele, etwa bei Maiglöckchen, gelingen auch im Rückstich mit einem Faden.

Blätter mit Mittelader

Der Fischgrätstich ist für Blätter gemacht.

Du stichst abwechselnd von der linken und der rechten Blattkante knapp über die Mittellinie, und die Stiche überkreuzen sich dort zu einer Ader.

Zeichne die Mittellinie vor, sonst wandert sie.

Für Blätter mit Farbverlauf, etwa bei großen Blumen im Lang-und-Kurz-Stich, nimmst du denselben Stich wie für die Blüte, damit das Motiv aus einem Guss wirkt.

Kleine Blätter, Zweige und Gräser

Kleine Blätter sind einfach Margeritenstiche in Grün, oft etwas länger gezogen als die Blütenblätter.

Für Zweige und Farn passt der Fliegenstich, den du als V oder Y untereinander setzt.

Und Gräser sind nichts weiter als lange gerade Stiche in zwei, drei Grüntönen, die sich leicht überkreuzen dürfen.

Neun Blumen, in Stiche zerlegt

Die Tabelle zeigt, wie die Teile beliebter Blumen aufgeteilt werden können.

Sie ist eine Möglichkeit, keine Regel, und du kannst jede Zeile mit den Abschnitten oben abwandeln.

BlumeBlütenblätterMitteStängel und Blätter
GänseblümchenMargeritenstich, schmal und dichtdichte gelbe KnötchenStielstich, kleine Margeritenstich-Blätter
Vergissmeinnichtfünf blaue Knötchen oder kleiner Plattstichein gelbes KnötchenStielstich, kleine Plattstich-Blätter
Lavendelwinzige Margeritenstiche paarweise oder Knötchen in Lila–Stielstich, gerade Stiche als Blätter
TulpeLang-und-Kurz-Stich in zwei bis drei Tönen–zwei Reihen Stielstich, lange Blätter im Lang-und-Kurz-Stich
MohnLang-und-Kurz-Stich in Rotdunkler Plattstich, Knötchen als StaubgefäßeStielstich, gefiederte Blätter im Fischgrätstich
Rosegewebter Radstich, Kettenstich-Spirale oder Wickelstichein der Rose enthaltenStielstich, Blätter im Fischgrätstich
SonnenblumeMargeritenstich mit geradem Stich gefüllt oder Plattstichdichte braune Knötchen, außen hellerKettenstich, Blätter im Fischgrätstich
Kornblumegerade Stiche, fächerförmig zur Mitte gesticktdunkle KnötchenStielstich, schmale gerade Stiche
FliederKnötchen in zwei, drei Lilatönen als Dolde–Stielstich, herzförmige Blätter im Plattstich in zwei Hälften

Welche dieser Blumen gerade in die Saison passt, vom Vergissmeinnicht im Frühling bis zur Sonnenblume im Spätsommer, kannst du bei den Stickideen zu den Jahreszeiten sehen.

Ganze Sträuße, Kränze und Ranken findest du bei den gestickten Blumen und Pflanzen.

In welcher Reihenfolge du eine Blume stickst

Eine Faustregel trägt durch jedes Blumenmotiv: Was hinten liegt, kommt zuerst.

  1. Stängel und Zweige, soweit sie unter Blättern oder Blüten verschwinden. Ihr Ende darf ein Stück unter die spätere Blüte reichen, dann gibt es keine Lücke.
  2. Blätter, und zwar zuerst die, die von anderen Blättern verdeckt werden.
  3. Bei Blüten, die sich überlappen, die hinteren Blütenblätter vor den vorderen. Soll ein Blütenblatt im Plattstich eine scharfe Kante bekommen, stickst du die Kontur im Spaltstich direkt davor.
  4. Rosen und große Blütenblätter im Lang-und-Kurz-Stich.
  5. Knötchen ganz zum Schluss, weil sich die Fäden späterer Stiche sonst an ihnen verhaken.

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