Gewebter Radstich: So stickst du Spinnenrad-Rosen

Drei gestickte Rosen im gewebten Radstich auf Leinen im Holzstickrahmen, daneben eine stumpfe Nadel

Fünf.

Mit dieser Zahl steht und fällt der gewebte Radstich, denn das Gerüst der Rose braucht eine ungerade Zahl von Speichen.

Danach stickst du kaum noch in den Stoff: Du webst den Faden nur noch rund um die Speichen, bis sich die Runden zu Blütenblättern aufwerfen.

Das sieht aufwendiger aus, als es ist, und gehört deshalb zu den dankbarsten Stichen für den Anfang.

In der Übersicht der wichtigsten Stickstiche und ihrer Aufgaben steht er bei den Zierstichen, und vielleicht kennst du ihn unter dem Namen Spinnenrad oder Spinnenradrose.

Warum fünf Speichen und nicht sechs

Beim Weben gehst du abwechselnd über eine Speiche und unter der nächsten hindurch.

Bei fünf Speichen kommst du nach einer Runde wieder an der ersten Speiche an, über die du gegangen bist, und jetzt führt der Weg unter ihr durch.

So wechselt sich über und unter in jeder Runde von selbst ab, und die Runden verhaken sich wie ein Korbgeflecht.

Bei sechs Speichen landest du dagegen jedes Mal bei derselben Bewegung: Die zweite Runde legt sich genau auf die erste, nichts greift ineinander, und die Rose rutscht beim ersten Anfassen auseinander.

Sieben Speichen funktionieren auch, für Rosen bis etwa zwei Zentimeter würde ich aber bei fünf bleiben, weil das Gerüst dann schneller verschwindet.

Zwei Fäden, zwei Aufgaben

Gerüst und Rose haben unterschiedliche Aufgaben, deshalb stickst du sie auch mit unterschiedlichem Material.

Die Speichen sollen straff sitzen und später unsichtbar sein, das Weben soll füllen und locker aufliegen.

SpeichenWeben
GarnSticktwist in der Farbe der innersten RundeSticktwist, Perlgarn oder feine Wolle
Fäden2 Fädenalle 6 Fäden Sticktwist oder Perlgarn Stärke 5
Nadelspitze Sticknadelstumpfe Gobelinnadel, etwa Größe 22 bis 24
Spannungstraff, der Stoff darf sich nicht wellenlocker, der Faden liegt nur auf

Die stumpfe Nadel ist beim Weben wichtiger, als sie aussieht: Mit einer spitzen Nadel stichst du früher oder später in eine Speiche oder in den Stoff darunter, und dann zieht sich die Rose schief.

Hast du keine Gobelinnadel zur Hand, schiebst du deine Sticknadel einfach mit dem Öhr voraus unter den Speichen durch.

Welche Garnart dabei wie wirkt, findest du im Vergleich von Baumwoll-, Seiden- und Wollgarn: Baumwolle ergibt eine klar gezeichnete Rose, matte Wolle eine weiche, fast kugelige.

Als Untergrund eignet sich jeder fest gewebte Stoff, auf dem auch andere Stiche gut halten; Leinen und Baumwolle sind die einfachste Wahl, mehr dazu im Ratgeber zum passenden Stickstoff.

Das Gerüst aus einem Fliegenstich

Zeichne einen Kreis in der Größe der fertigen Rose auf den Stoff und markiere die Mitte.

Die Speichen enden ein, zwei Millimeter innerhalb dieser Linie, damit die letzte Runde sie sicher verdeckt.

Statt fünf Punkte mühsam auszumessen, nimmst du einen Fliegenstich als Grundlage, der dir drei Speichen auf einmal gibt.

Diagramm: Fliegenstich mit V-Schlinge und Haltestich bildet drei Speichen im Kreis
Der Fliegenstich bildet ein Y aus drei Speichen.
  1. Komm links oben auf der Kreislinie heraus (1) und stich auf gleicher Höhe rechts oben wieder ein (2). Zieh den Faden nicht ganz straff, sondern lass eine lockere Schlinge.
  2. Komm genau in der Mitte des Kreises heraus (3), und zwar so, dass die Schlinge unter der Nadel liegt. Wenn du den Faden jetzt anziehst, wird aus der Schlinge ein V mit der Spitze in der Mitte.
  3. Stich unten auf der Kreislinie ein (4). Dieser lange Haltestich zieht das V zu einem Y und ist gleichzeitig deine dritte Speiche.
  4. Komm rechts unten auf der Kreislinie heraus (5), genau in der Mitte zwischen dem rechten Arm und dem Stiel, und stich dicht an der Mitte ein (6). Dasselbe auf der linken Seite: bei 7 heraus, bei 8 an der Mitte hinunter. Vernähe den Faden auf der Rückseite.
Diagramm: zwei zusätzliche Speichen ergänzen den Fliegenstich zu fünf gleich verteilten Speichen
Zwei gerade Stiche machen aus drei Speichen fünf.

Schau dir das Gerüst kurz an, bevor du weitermachst.

Die Lücken zwischen den Speichen sollten ungefähr gleich groß sein, und keine Speiche darf durchhängen.

Eine lockere Speiche lässt sich später nicht mehr straffen, weil die Rose darauf liegt.

Weben, bis keine Speiche mehr zu sehen ist

  1. Fädle den dicken Webfaden in die stumpfe Nadel und komm zwischen zwei Speichen heraus, so nah an der Mitte wie möglich.
  2. Führe die Nadel über die nächste Speiche und unter der übernächsten hindurch, ohne in den Stoff zu stechen. In welche Richtung du läufst, ist egal; bleib nur bei einer.
  3. Zieh den Faden nach jeder Speiche nur so weit an, dass er sich an die vorige Runde legt. Die ersten beiden Runden dürfen eng um die Mitte sitzen, danach lässt du den Faden zunehmend lockerer liegen.
  4. Webe Runde um Runde nach außen. Schieb die Runden zwischendurch mit der Nadelspitze zur Mitte, damit keine Lücken entstehen.
  5. Sobald die Speichen ganz bedeckt sind, stich direkt unter der letzten Runde in den Stoff, dicht neben einer Speiche. So verschwindet der Fadenrest unter den Blütenblättern. Auf der Rückseite vernähst du ihn unter den Speichenstichen.
Diagramm: Webfaden läuft spiralförmig abwechselnd über und unter fünf Speichen nach außen
Über eine, unter eine: Bei fünf Speichen wechselt der Rhythmus in jeder Runde von selbst.

Reicht der Faden nicht bis zum Ende, führst du ihn unter der letzten Runde nach hinten, vernähst ihn und kommst mit dem neuen Faden in derselben Lücke wieder heraus.

Danach webst du einfach mit der Bewegung weiter, die als Nächstes dran gewesen wäre.

Der Dreh macht die Blätter: Beim Weben verdreht sich der Faden von selbst ein wenig.

Lässt du das zu, entstehen kordelartige Runden mit klar getrennten Blütenblättern.

Lässt du die Nadel ab und zu hängen, bis sich der Faden entdreht, wird die Rose flacher und gleichmäßiger.

Beides ist richtig, entscheide dich nur für eine Version pro Rose.

Wie groß, wie voll, wie viele Farben

Mit sechs Fäden Sticktwist sehen Rosen zwischen etwa einem und zwei Zentimetern am schönsten aus.

Kleinere werden schnell zu einem Knubbel, bei größeren brauchst du viele Runden, und die Speichen werden so lang, dass sie unter dem Webfaden nachgeben.

Für große Rosen nimm lieber dickeres Garn, etwa Perlgarn oder Wolle, statt nur mehr Runden zu weben.

Wie voll die Rose wird, hängt davon ab, wie dicht du die Runden zusammenschiebst.

Eng gepackt wölbt sie sich in der Mitte nach oben, locker gewebt wirkt sie offener und eher wie eine Pfingstrose.

Willst du der Blüte Tiefe geben, beginnst du in der Mitte mit dem dunkelsten Ton und wechselst für die äußeren Runden zu einem helleren.

Zwei Farbtöne reichen dafür völlig, und der Wechsel funktioniert wie ein normaler Fadenwechsel.

Ganz in der Mitte bleibt bei manchen Rosen ein kleiner Punkt frei.

Den kannst du mit einem einzelnen Knoten in einer Kontrastfarbe füllen; wie er rund und fest auf dem Stoff sitzen bleibt, steht in der Anleitung zum Knötchenstich ohne Verrutschen.

Gerippt statt geflochten

Es gibt eine zweite Art, das Rad zu füllen, und sie sieht ganz anders aus.

Statt über und unter zu wechseln, gehst du rückwärts über eine Speiche und dann vorwärts unter zwei Speichen hindurch.

Der Faden legt sich dadurch einmal um jede Speiche, und auf der Oberfläche entstehen erhabene Rippen, die strahlenförmig von der Mitte ausgehen.

Diagramm: gerippte Variante, Faden rückwärts über eine Speiche und vorwärts unter zwei Speichen
Bei der gerippten Variante wickelt sich der Faden um jede Speiche.

Für diese Variante ist die Speichenzahl egal, denn die Bewegung ist bei jeder Speiche dieselbe.

Acht Speichen sind üblich, weil die Rippen dann dicht stehen.

Das Ergebnis wirkt weniger wie eine Rose und mehr wie eine Muschel, ein Spinnennetz oder eine geometrische Rosette.

Für dieses Gerüst stickst du einfach acht gerade Stiche von außen in die Mitte.

Du kannst den Faden dabei fest anziehen, denn die Rippen sollen plastisch stehen.

Aus einer Rose wird ein Strauß

Eine einzelne Rose wirkt wie ein Knopf.

Erst mit Stielen, Blättern und Rosen in verschiedenen Größen entsteht ein Strauß.

Die Stiele stickst du am schönsten im Stielstich, der sich weich um Kurven legt; wie die Linie gleichmäßig wird, zeigt die Anleitung zum Stielstich in klaren Linien.

Für Blätter passen einzelne Margeritenstiche oder, wenn sie flächig und glänzend werden sollen, ein kurzer Plattstich ohne Lücken.

Setz die Rosen nicht alle gleich groß nebeneinander.

Drei Größen, die größte etwas außerhalb der Mitte, dazwischen ein paar Knospen aus nur zwei, drei gewebten Runden, wirken lebendiger als jede Reihe.

Weitere Ideen findest du bei den gestickten Blumen und Pflanzen, und wer gern mit Höhe und Volumen arbeitet, sieht bei der 3D- und Reliefstickerei, wohin sich die Spinnenradrose noch entwickeln lässt.

Mit Seidenband gewebt wird sie übrigens noch plastischer; dafür brauchst du eine Nadel mit großem Öhr und Band in vier bis sieben Millimetern Breite.

Auf Kleidung ist die Rose heikel.

Die locker aufliegenden Runden bleiben leicht an Reißverschlüssen, Schmuck oder Klettverschlüssen hängen.

Wenn du ein Shirt oder eine Jacke bestickst, webe die Runden dichter und halte die Rosen klein.

Kurzer Blick, bevor du den Faden abschneidest

  • Von keiner Speiche ist mehr etwas zu sehen, auch nicht am Rand.
  • Der Stoff um die Rose liegt glatt und zieht keine Falten zur Mitte.
  • Die äußeren Runden liegen lockerer als die inneren und wölben sich leicht.
  • Das Fadenende verschwindet unter der letzten Runde und nicht daneben.
  • Auf der Rückseite ist der Webfaden unter den Speichenstichen vernäht, nicht nur verknotet.
Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert