Ein Strang Sticktwist besteht aus sechs dünnen Einzelfäden, und gestickt wird fast nie mit allen sechs.
Für die meisten Linien auf Baumwolle oder Leinen nimmst du zwei oder drei Fäden, für feine Details einen, und alle sechs nur, wenn eine Linie richtig dick werden soll oder der Stoff grob ist.
Wie viele Fäden vom Stickgarn genau passen, hängt an drei Dingen: am Stoff, am Stich und daran, aus welcher Entfernung man die Stickerei später anschaut.
Steht in einer Vorlage „zweifädig“, sind übrigens genau zwei dieser sechs Einzelfäden gemeint, zusammen in einer Nadel.
Was jede Fadenzahl auf dem Stoff macht
Die Unterschiede sind größer, als man bei so dünnen Fäden erwartet.
Jeder zusätzliche Faden macht die Linie nicht nur breiter, er verändert auch, wie sie wirkt.
- Ein Faden zeichnet fast wie ein feiner Stift. Damit stickst du Gesichtszüge, Wimpern, Staubgefäße, kleine Schrift unter etwa einem Zentimeter Höhe und die Konturen beim Kreuzstich. Auch für Schattierungen in der Nadelmalerei ist ein Faden üblich, weil die Farben dann weich ineinander übergehen.
- Zwei Fäden sind der ruhige Standard. Linien bleiben fein, sind aber auch aus einem Meter Abstand gut zu erkennen, und kleine Plattstichflächen werden glatt.
- Drei Fäden ergeben eine klare, gut sichtbare Kontur. Für Ranken, Stiele und Umrisse, die ein Motiv tragen sollen, ist das meine liebste Stärke: präsent, ohne grob zu wirken.
- Vier Fäden wirken kräftig und grafisch. Auf mittelfestem Baumwollstoff ist das ungefähr die Grenze, bevor die Einstichlöcher sichtbar größer werden.
- Sechs Fäden machen dicke, fast kordelartige Linien und füllen Flächen schnell. Sie gehören auf groben Stoff wie Canvas, Denim oder Filz und auf Stücke, die man aus der Entfernung sieht. Fünf Fäden gehen natürlich auch, der Unterschied zu vier oder sechs fällt aber kaum auf.
Wie viel ein Stoff tragen kann
Bei jedem Stich wandert das ganze Fadenbündel durch dasselbe Loch.
Auf einem feinen, dicht gewebten Stoff wie Batist oder Musselin drücken vier oder mehr Fäden das Gewebe auseinander, die Löcher bleiben sichtbar, und rund um dicht bestickte Stellen zieht sich der Stoff leicht zusammen.
Dort bleibst du bei einem oder zwei Fäden.
Mittelfeste Baumwolle und Leinen vertragen zwei bis vier Fäden ohne Probleme, für betonte Linien auch sechs.
Auf grobem Leinen, Canvas oder Denim ist es umgekehrt: Ein oder zwei Fäden versinken in der Struktur, und die Linie wirkt dünn und unruhig, weil die Webfäden dazwischen hervorschauen.
Hier sind drei bis sechs Fäden richtig.
Wie sich die einzelnen Gewebe verhalten, steht im Überblick über Stoffe, die sich gut besticken lassen.
Die Nadel wächst mit.
Sie soll ein Loch öffnen, durch das das Bündel gleitet, ohne zu reiben, und je dicker die Nadel, desto kleiner ist ihre Nummer.
Ungefähr passt Größe 9 bis 10 zu einem oder zwei Fäden, 7 bis 8 zu drei und 3 bis 5 zu vier bis sechs Fäden.
Auch die Farbe spielt mit.
Helles Garn auf dunklem Stoff wirkt bei gleicher Fadenzahl dünner und blasser, weil der Untergrund zwischen den Einzelfäden durchschimmert.
Ein Faden mehr gleicht das meistens aus.
Wenn du unsicher bist, stick auf einem Rest desselben Stoffs drei kurze Probelinien mit zwei, drei und vier Fäden.
Schau sie dir aus dem Abstand an, aus dem das fertige Stück gesehen wird: Ein Stickbild an der Wand betrachtet man aus zwei Metern, einen bestickten Kragen aus einer Armlänge.
Die Linie, die aus dieser Entfernung so aussieht, wie du sie dir vorgestellt hast, ist die richtige.
Welche Fadenzahl zu welchem Stich passt
Die Werte gelten für Sticktwist auf mittelfester Baumwolle oder Leinen.
Auf feinem Stoff gehst du einen Faden runter, auf grobem einen bis zwei rauf.
| Stich | Übliche Fadenzahl | Was mit mehr Fäden passiert |
|---|---|---|
| Rückstich | 1 bis 3 | Die Linie wird kräftiger. Verlängere dann auch die Stiche etwas, sonst sieht sie aus wie eine Perlenkette. |
| Stielstich | 2 bis 3 | Die gedrehte Kordel wird dicker und runder, ab vier Fäden wirkt sie wuchtig. |
| Kettenstich | 2 bis 4 | Die Schlaufen werden voller. Mit sechs Fäden erinnert die Kette an eine gehäkelte Luftmaschenkette. |
| Plattstich | 1 bis 2 | Die Stiche werden rundlich, zwischen ihnen bleiben eher Lücken, und die Fläche glänzt weniger. |
| Lang-und-Kurz-Stich | 1 bis 2 | Farbübergänge werden stufiger statt fließend. |
| Knötchenstich | 2 bis 3 | Der Knoten wird größer und runder. |
| Margeritenstich | 2 bis 3 | Die Blütenblätter werden breiter und weicher in der Form. |
Zwei Stiche reagieren besonders empfindlich auf die Fadenzahl.
Beim Plattstich entscheidet sie, ob die Fläche glänzt wie ein Satinband oder streifig wirkt, deshalb geht es in der Anleitung für lückenlose Plattstichflächen ausführlich um Garn und Nadel.
Beim Knötchenstich bestimmt sie die Größe stärker als die Zahl der Wicklungen: Für einen dickeren Knoten nimmst du lieber einen Faden mehr, denn zusätzliche Wicklungen machen ihn eher unordentlich als größer.
Wie er dabei an seinem Platz bleibt, zeigt die Anleitung zum Knötchenstich, der nicht verrutscht.
Für Linien sind zwei bis drei Fäden fast immer richtig, ob du den Rückstich als einfachsten Linienstich, den gedrehten Stielstich oder den Kettenstich mit seinen Schlaufen nimmst.
Kombinierst du mehrere Stiche in einem Motiv, wie es in der Freestyle-Stickerei üblich ist, lohnt sich ein bewusster Wechsel: Konturen mit drei Fäden, Details mit einem.
Das Motiv bekommt dadurch Tiefe, ohne dass du eine einzige zusätzliche Farbe brauchst.
Beim Kreuzstich zählt die Größe der Kästchen
Beim Kreuzstich richtet sich die Fadenzahl nach dem Zählstoff.
Das Kreuz soll sein Kästchen gut füllen, ohne über die Ränder zu quellen, und je kleiner die Kästchen, desto weniger Fäden passen hinein.
| Zählstoff | Kästchen pro 10 cm | Fäden für das Kreuz | Fäden für Konturen im Rückstich |
|---|---|---|---|
| Aida 11 (11 pro Zoll) | 43 | 3 | 1 bis 2 |
| Aida 14 | 54 | 2 | 1 |
| Aida 16 | 64 | 2 | 1 |
| Aida 18 | 70 | 1 bis 2 | 1 |
| Leinen mit 11 Fäden pro cm, über zwei Fäden gestickt | rund 55 Kreuze | 2 | 1 |
Auf 14er-Aida decken zwei Fäden gut, lassen zwischen den Kreuzen aber noch ein wenig Stoff durchblitzen.
Magst du es satter, nimm drei: Die Kreuze stehen dann dichter und etwas plastischer, und du verbrauchst entsprechend mehr Garn.
Für feine Konturen bleibt es dagegen bei einem Faden, sonst schieben sie sich über die Kreuze und machen das Motiv schwer.
Garne, die sich nicht teilen lassen
Alles bisher gilt für Sticktwist.
Bei anderen Garnen ist die Stärke schon festgelegt, und du wählst sie über die Garnsorte statt über die Fadenzahl.
Was die Garnarten neben dem Sticktwist jeweils können, steht im Garnvergleich.
Perlgarn ist fest gedreht und nicht teilbar.
Seine Stärke steht als Nummer auf der Banderole, und je höher die Nummer, desto dünner das Garn.
Als grobe Orientierung entspricht Nr. 12 etwa ein bis zwei Fäden Sticktwist, Nr. 8 etwa zwei bis drei und Nr. 5 etwa vier bis sechs, während Nr. 3 kräftiger ist als alle sechs zusammen.
Weil Perlgarn rund gedreht ist, wirkt es bei gleicher Dicke plastischer als Sticktwist.
Seidengarn gibt es in beiden Formen: als teilbaren Strang, manchmal mit sieben statt sechs Einzelfäden, und als ungeteiltes, gedrehtes Garn.
Für die teilbaren Sorten gelten dieselben Faustregeln wie für Sticktwist.
Crewelwolle ist ein dünner Wollfaden, den du nicht aufteilst: Für feine Linien nimmst du ihn einfach, für kräftigere Linien oder zum schnellen Füllen legst du zwei Fäden zusammen in die Nadel.
Fäden trennen, ohne dass sich der Rest verheddert
Ziehst du die gewünschten Fäden einfach als Bündel ab, verdreht sich der Rest des Strangs zu einem Knäuel. So geht es ohne:
- Schneide ein Stück von 40 bis 50 Zentimetern vom Strang ab. Längere Fäden scheuern beim Durchziehen auf und verdrehen sich schneller.
- Fächere ein Ende leicht auf, sodass du die sechs Einzelfäden siehst.
- Halte das Bündel oben zwischen Daumen und Zeigefinger und zieh einen einzelnen Faden langsam nach oben heraus. Der Rest schiebt sich dabei zusammen und kräuselt sich, das ist normal.
- Streich das übrige Bündel glatt und zieh den nächsten Faden genauso heraus.
- Leg die herausgezogenen Fäden parallel nebeneinander, die Enden auf gleicher Höhe, und fädle sie gemeinsam ein.
Dieser kleine Umweg lohnt sich sogar, wenn du alle sechs Fäden verwendest.
Einzeln gezogen und wieder zusammengelegt, liegen sie nebeneinander statt umeinander gewickelt und decken flacher und gleichmäßiger.
Die übrigen Fäden legst du locker zusammen beiseite, sie reichen für den nächsten Faden in derselben Farbe.
Gerade Fadenzahlen haben einen kleinen Vorteil: Bei zwei oder vier Fäden kannst du mit einer Schlaufe beginnen statt mit einem Knoten.
Für zwei Fäden nimmst du einen einzelnen Faden in doppelter Länge, also 80 bis 100 Zentimeter, legst ihn zur Hälfte und fädelst die beiden Enden ein.
Für vier Fäden legst du entsprechend zwei Fäden doppelt.
Nach dem ersten Stich führst du die Nadel auf der Rückseite durch die Schlaufe, und der Faden sitzt fest.
Bei drei Fäden geht das nicht, dort beginnst du mit einem Wegwerfknoten.
Zwei Farben in einer Nadel
Weil du die Fäden ohnehin einzeln ziehst, kannst du sie auch aus verschiedenen Strängen zusammenlegen.
Ein Faden Moosgrün und ein Faden Olivgrün ergeben zusammen einen Ton dazwischen, der leicht meliert wirkt, fast wie ein Tweedstoff.
So schattierst du ein Blatt mit nur zwei Garnfarben in drei Stufen: erst zwei Fäden der dunklen Farbe, dann je einen von beiden, dann zwei der hellen.
Mit drei Fäden geht es noch feiner, etwa zwei dunkle und ein heller, danach zwei helle und ein dunkler.
Bei Fell, Baumrinde oder Wolken wirkt diese Mischung lebendiger als jede einzelne glatte Farbe, weil das Auge die beiden Töne erst aus etwas Abstand zusammensetzt.





