Ein Stickrahmen hat zwei ganz verschiedene Aufgaben, und die meisten kaufen ihn, ohne die beiden auseinanderzuhalten.
Beim Sticken soll er den Stoff so straff halten, dass nichts unter der Nadel nachgibt, und später hängt er vielleicht als Bilderrahmen an der Wand.
Für die erste Aufgabe ist ein Holzrahmen aus Buche mit Messingschraube in 15 bis 20 cm die sichere Wahl.
Kunststoff mit ineinandergreifenden Ringen lohnt sich, wenn dir glatte Stoffe ständig verrutschen, und ein eckiger Klemmrahmen, wenn du vor allem Kreuzstich stickst.
Den Rahmen für die Wand kaufst du am besten erst, wenn die Stickerei fertig ist.
Holz: Buche, Bambus und die unterschätzte Schraube
Der klassische Stickrahmen besteht aus zwei Holzringen.
Der innere ist geschlossen, der äußere ist an einer Stelle aufgeschnitten und wird mit einer Schraube um den inneren gezogen.
Dazwischen klemmt dein Stoff.
Buche ist das solidere Holz.
Die Ringe sind meist etwas kräftiger gearbeitet, bleiben rund und halten auch nach vielen Abenden noch dieselbe Spannung.
Bambusrahmen sind leichter und günstiger, oft aber dünner gefräst, und in billigen Sets passen innerer und äußerer Ring nicht immer sauber zueinander.
Für einen ersten Versuch ist das kein Drama.
Für einen Rahmen, mit dem du jahrelang arbeiten willst, würde ich Buche nehmen.
Bei der Schraube lohnt sich der zweite Blick.
Eine Messingschraube mit Schlitz kannst du mit einem kleinen Schraubendreher nachziehen, und genau das macht den Unterschied: Mit den Fingern allein bekommst du einen Rahmen selten so fest, wie er für dichte Flächen sein müsste.
Eine glatte Rändelschraube ohne Schlitz ist bequemer, hält aber eben nur so fest, wie du zudrehen kannst.
Die Höhe der Ringe merkst du erst bei dickerem Stoff.
Normale Rahmen sind knapp einen Zentimeter hoch, das reicht für Baumwolle und Leinen.
Für Wollstoff, Filz oder mehrere Lagen gibt es tiefere Rahmen, aus denen der Stoff nicht gleich wieder herausspringt.
Wie dick welcher Stoff ist und was das für die Stickerei bedeutet, steht in der Übersicht, welcher Stoff sich zum Sticken eignet.
Ein glatter Holzring hält feines Leinen übrigens schlechter als einer, den du mit Baumwollband umwickelst.
Wie das geht, steht schon bei der Grundausstattung zum Sticken, und es macht aus einem günstigen Rahmen einen deutlich besseren.
Kunststoff ist nicht automatisch die Sparversion
Kunststoffrahmen haben einen schlechten Ruf, den nur ein Teil von ihnen verdient.
Zwei Bauarten sind wirklich nützlich.
Ringe, die ineinandergreifen
Bei diesen Rahmen hat ein Ring eine kleine Lippe oder Kante, die in eine Rille des anderen greift.
Der Stoff liegt also nicht nur zwischen zwei glatten Flächen, sondern wird zusätzlich über eine Kante gezogen.
Glatte, rutschige Stoffe wie feine Baumwolle, Satin oder Seide bleiben darin deutlich besser auf Spannung als in einem unbehandelten Holzring.
Der Preis dafür: Die Kante drückt auch stärker auf bereits gestickte Stellen, wenn du den Rahmen über fertige Stiche versetzt.
Federringrahmen
Hier ist der äußere Ring aus Kunststoff, der innere ein Metallring mit zwei Griffen.
Du drückst die Griffe zusammen, setzt den Ring in die Rille, lässt los, und die Feder hält den Stoff.
Das geht in Sekunden, und der Stoff liegt flach auf der Unterseite.
Gebaut sind diese Rahmen fürs Sticken und Stopfen mit der Nähmaschine.
Von Hand funktionieren sie auf dünner Baumwolle, bei mittlerem Leinen, Filz oder mehreren Lagen reicht der Druck der Feder schnell nicht mehr aus.
Wenn ein runder Ring nicht passt
Ein Klemmrahmen besteht aus vier Kunststoffrohren, die du zu einem Quadrat oder Rechteck zusammensteckst.
Den Stoff legst du darüber und drückst halbrunde Klammern auf die Rohre.
Drehst du die Klammern ein Stück nach außen, zieht sich der Stoff straff.
Weil kein Ring über den Stoff gepresst wird, entstehen kaum Abdrücke, und ein Kreuzstichmuster, das ja ohnehin in Kästchen und Rechtecken denkt, siehst du darin als rechteckigen Ausschnitt statt als Kreis.
Viele, die auf Aida sticken, wollen deshalb nichts anderes mehr.
Für freie Stickerei auf Leinen geht er auch, nur kommst du in die Ecken schlechter hinein, und auf dem Schoß ist ein Quadrat sperriger als ein Ring.
Rahmen mit Ständer oder mit einer Klemme für die Tischkante halten den Rahmen für dich, und du hast beide Hände frei: eine über dem Stoff, eine darunter.
Das lohnt sich vor allem bei Stichen, bei denen eine Hand den Faden führt, während die andere die Nadel durchzieht, so wie beim Knötchenstich, der ohne freie Hand gern verrutscht.
Auch nach langen Abenden merkst du den Unterschied im Handgelenk.
Zum Anfangen brauchst du so etwas nicht.
Rahmen, die über einen Drehknopf, einen Hebel oder eine Ratschenmechanik gespannt werden, findest du vor allem als Zubehör für Stickmaschinen.
Für Handstickerei bringen sie dir gegenüber einer guten Schraube keinen echten Vorteil.
| Bauart | So hält der Stoff | Stark bei | Schwächer bei |
|---|---|---|---|
| Holzrahmen mit Schraube | Druck zwischen zwei Ringen, mit Schraubendreher nachziehbar | fast allem: Baumwolle, Leinen, freie Stickerei | glatten Stoffen, solange der Innenring nicht umwickelt ist |
| Kunststoff mit Lippe | Ringe greifen ineinander, Stoff läuft über eine Kante | rutschigen Stoffen wie Satin und feiner Baumwolle | Versetzen über fertige Stiche |
| Federringrahmen | Metallfeder drückt den Stoff in eine Rille | Maschinensticken, dünner Baumwolle, schnellem Umspannen | Leinen, Filz, mehreren Lagen |
| Klemmrahmen | Klammern auf Rohren, nach außen gedreht | Kreuzstich auf Aida, größeren Flächen | Ecken, Sticken auf dem Schoß |
| Ständer oder Tischklemme | hält einen Rahmen fest, beide Hände frei | Knötchenstichen, langen Abenden | Mitnehmen, wenig Platz |
Die Größe kommt vom Motiv, nicht vom Stoff
Miss dein Motiv an der breitesten Stelle und rechne an jeder Seite 2 bis 3 cm dazu.
Bei einem Motiv von 10 cm landest du so bei einem Rahmen mit 15 cm.
Der Abstand zum Ring ist kein Luxus: Am Rand ist der Stoff am straffsten, aber direkt am Ring stößt deine Hand an, und die Nadel kommt nicht mehr senkrecht durch den Stoff.
Außen um den Rahmen herum brauchst du mindestens 5 cm Stoff.
An diesem Rand ziehst du den Stoff nach, wenn er sich lockert, und falls die Stickerei später im Rahmen an die Wand soll, schlägst du ihn auf der Rückseite um.
Kleiner heißt straffer.
In einem Rahmen mit 15 cm bleibt die Mitte deutlich fester als in einem mit 30 cm, und das siehst du vor allem bei dichten Flächen, wenn du Plattstich ohne Lücken sticken willst.
Ist dein Motiv größer als etwa 20 cm, ist es oft besser, einen mittleren Rahmen zu versetzen oder einen Klemmrahmen zu nehmen, als einen riesigen Ring, der in der Hand kippt und in der Mitte nachgibt.
Grob sortiert: 10 cm passen zu Minimotiven, Anhängern und kleinen Stellen an Kleidung, wo ein großer Ring gar nicht hineinpasst, etwa an einem Ärmel.
Mit 15 bis 20 cm deckst du den größten Teil aller Projekte ab, auch die ersten Übungsreihen für Anfänger.
Ab 25 cm wird es ein Rahmen für große Stücke, und da lohnt sich ein Ständer.
Wenn du zwei Rahmen kaufen willst, ist ein kleiner mit 10 oder 13 cm und ein mittlerer mit 18 oder 20 cm eine gute Kombination.
Ein Detail, das beim Bestellen gern untergeht: Je nach Hersteller bezieht sich die Größenangabe auf den inneren oder auf den äußeren Ring.
Für die Arbeit ist das egal, für ein Wandbild mit fester Breite nicht.
Miss im Zweifel nach.
Vor dem Kauf einmal in die Hand nehmen
- Steck die Ringe ohne Stoff ineinander: Der Spalt sollte rundum gleich sein, ohne dass der Rahmen an einer Stelle klemmt oder an einer anderen wackelt.
- Leg den inneren Ring flach auf den Tisch. Liegt er überall auf, ist er nicht verzogen.
- Fahr mit dem Finger innen und außen entlang. Raue Stellen und kleine Splitter fangen später jeden Faden.
- Dreh die Schraube ein paar Umdrehungen auf und zu. Sie sollte leicht laufen, und der Metallbeschlag darf sich am Holz nicht bewegen.
- Schau dir die Schnittstelle am äußeren Ring an. Die beiden Enden sollten bündig übereinanderliegen, nicht versetzt.
Ein Rahmen ist zum Arbeiten da, nicht zum Aufbewahren.
Nimm den Stoff nach dem Sticken heraus, sonst drückt sich der Ring ein, und bei empfindlichen Stoffen geht dieser Abdruck auch mit Bügeln nicht mehr ganz weg.
Der Rahmen, der am Ende an der Wand hängt
Wenn deine Stickerei im Rahmen hängen soll, nimm dafür nicht den Rahmen, in dem du wochenlang gearbeitet hast.
Der hat oft Griffspuren, das Holz ist dunkler geworden, und der Stoff zeigt genau dort, wo er gesessen hat, einen Ring.
Ein frischer Rahmen, in den du die fertige Arbeit einmal sauber spannst, sieht ruhiger aus.
Hier darf die Optik entscheiden.
Naturbuche wirkt warm und passt zu fast allem, ein lackierter oder bemalter Rahmen kann eine Farbe aus der Stickerei aufgreifen, und es gibt Kunststoffrahmen in Holzoptik oder kräftigen Farben mit leicht biegsamem Außenring, die genau dafür gemacht sind.
Achte auf die Schraube, denn an ihr hängt das Bild später meist: Messing sieht dabei schlicht besser aus als verchromtes Blech.
Bei der Größe darfst du knapper werden als beim Sticken.
Rund ums Motiv reicht dann etwas Luft, damit es nicht gequetscht wirkt, und der Stoffrand wird auf der Rückseite umgeschlagen.
Wie solche Stücke aussehen können, wenn sie fertig an der Wand hängen, zeigen die Ideen für Stickbilder und Wandkunst.





