Sticknadeln Größen: Welche Nadel passt zu welchem Projekt?

Sticknadeln in verschiedenen Größen auf Leinen, eine davon mit terracottafarbenem Sticktwist eingefädelt

Auf Nadelpackungen stehen zwei Zahlenreihen, die nichts miteinander zu tun zu haben scheinen: Bei der einen ist Größe 3 dick und Größe 9 dünn, bei der anderen bewegst du dich irgendwo zwischen 18 und 28.

Beide folgen trotzdem derselben Regel, denn je höher die Nummer, desto dünner die Nadel.

Welche Sticknadel zu deinem Projekt passt, entscheiden zwei Fragen: Muss die Nadel den Stoff durchstechen, oder gleitet sie durch Löcher, die schon da sind?

Und wie dick ist das Garn, das durch ihr Öhr soll?

Für Sticktwist auf Baumwolle oder Leinen liegst du mit einer spitzen Sticknadel in Größe 7 bis 9 fast immer richtig, für Kreuzstich auf Aida mit einer stumpfen Tapisserienadel in Größe 24 oder 26 und für Wolle oder dickes Perlgarn mit einer Chenillenadel um Größe 22.

Spitz oder stumpf: Das entscheidet der Stoff

Die Spitze ist die erste Weiche.

Auf Baumwolle, Leinen, Denim oder Filz gibt es keine fertigen Löcher, die Nadel muss sich ihren Weg zwischen den Webfäden selbst bahnen und braucht dafür eine scharfe Spitze.

Auf Aida, Stramin und anderen Zählstoffen ist es umgekehrt.

Die Löcher sind schon da, und eine spitze Nadel trifft beim Einstechen leicht einen Stofffaden und spaltet ihn, statt sauber ins Loch zu rutschen.

Später sieht man das als kleine Unruhe in den Kreuzen.

Dort nimmst du eine Nadel mit abgerundeter Spitze.

Im Laden heißen die stumpfen Nadeln oft „Sticknadeln ohne Spitze“ oder „Kreuzstichnadeln“, die spitzen entsprechend „Sticknadeln mit Spitze“.

Gemeint sind dieselben Typen wie unten, nur anders beschriftet.

Die stumpfe Nadel hat noch einen zweiten Einsatzort, an den man nicht sofort denkt: überall dort, wo du Fäden umwickelst oder durchwebst, statt in den Stoff zu stechen.

Beim gewebten Radstich für Stickrosen gleitet sie unter den Speichen hindurch, ohne sie anzustechen.

Vier Nadeltypen und woran du sie erkennst

Nebeneinander gelegt, unterscheiden sich die Nadeln an zwei Stellen: an der Spitze und am Öhr.

Wie lang und weit das Öhr ist, bestimmt, wie viel Garn hindurchpasst, ohne zu scheuern.

Zeichnung: Sticknadel, Chenillenadel, Tapisserienadel und Strohnadel nebeneinander mit unterschiedlicher Spitze und Öhrgröße
Spitze und Öhr verraten den Nadeltyp, die Länge vor allem bei der Strohnadel.

Sticknadel

Die Sticknadel ist spitz, mittellang und hat ein längliches Öhr, durch das mehrere Fäden Sticktwist nebeneinander passen.

Auf englischen Packungen steht oft „Embroidery“ oder „Crewel“.

Es gibt sie in den Größen 1 bis 12, im Handel findest du meist 1 bis 10, häufig als gemischtes Päckchen wie 3 bis 9 oder 5 bis 10.

Für fast alles in der Freestyle-Stickerei mit Sticktwist ist sie die richtige Wahl.

Chenillenadel

Sie sieht aus wie eine kräftig gebaute Sticknadel: ebenfalls spitz, aber dicker und mit einem großen, langen Öhr.

Üblich sind die Größen 18 bis 24.

Du brauchst sie, sobald das Garn dicker wird als ein paar Fäden Sticktwist, also für Crewelwolle, dickes Perlgarn und Seidenband, und für feste Stoffe wie Wollstoff, Canvas oder Filz.

Der dicke Schaft öffnet ein Loch, durch das auch ein flauschiger Wollfaden gleitet, ohne aufzurauen.

In der Wollstickerei ist sie deshalb die Standardnadel.

Tapisserienadel

Die Tapisserienadel hat denselben Körper wie die Chenillenadel, also dickeren Schaft und großes Öhr, aber eine runde, stumpfe Spitze.

Sie ist die Nadel für Kreuzstich und alle Arbeiten auf Zählstoff und Stramin, in den Größen 18 bis 28.

Praktisch zu wissen: Eine Chenillenadel und eine Tapisserienadel mit derselben Nummer sind gleich dick und haben gleich große Öhre, nur die Spitze unterscheidet sich.

Kennst du die passende Größe der einen, kennst du also auch die der anderen.

Strohnadel

Die Strohnadel ist lang und dünn, und ihr Öhr ist kaum breiter als der Schaft.

Genau darin liegt ihr Sinn.

Beim Knötchenstich und beim Wickelstich, auch Raupenstich genannt, wickelst du den Faden um die Nadel und ziehst sie anschließend durch die Wicklungen.

Bei einer Sticknadel bleiben die Wicklungen am dickeren Öhr hängen, bei der Strohnadel rutschen sie glatt darüber.

Warum das für einen sauberen Knoten den Unterschied macht, zeigt die Anleitung für den Knötchenstich, der an seinem Platz bleibt.

Für zwei bis drei Fäden Sticktwist liegt die passende Größe meist zwischen 5 und 8.

Für gewöhnliche Linien ist sie dagegen unpraktisch, weil das schmale Öhr schwer einzufädeln ist und das Garn darin stärker scheuert.

Welche Nummer zu deinem Garn passt

Für die Größe gilt eine einfache Überlegung.

Das Garn soll ins Öhr passen, ohne gequetscht zu werden, und der Schaft soll ein Loch in den Stoff öffnen, durch das das Garn ohne Widerstand gleitet.

Ist die Nadel zu dünn, zwängt sich der Faden bei jedem Stich durch ein zu kleines Loch und raut auf.

Ist sie zu dick, bleiben rund um die Stiche Löcher stehen, die auch Bügeln nicht mehr schließt.

Die Werte in der Tabelle gelten für mittelfeste Baumwolle und Leinen.

Auf feinem, dichtem Stoff wie Batist nimmst du eine Nummer höher, auf Denim oder Canvas eine Nummer niedriger.

Wie sich die einzelnen Gewebe beim Sticken verhalten, steht im Überblick, welcher Stoff sich zum Sticken eignet.

GarnNadeltypGröße
Sticktwist, 1 FadenSticknadel10
Sticktwist, 2 FädenSticknadel9, auf festerem Stoff 8
Sticktwist, 3 FädenSticknadel7 bis 8
Sticktwist, 4 FädenSticknadel5
Sticktwist, 6 FädenSticknadel3 bis 4
Perlgarn Nr. 12Sticknadel8 bis 9
Perlgarn Nr. 8Sticknadel oder ChenillenadelSticknadel 5 bis 6, Chenillenadel 24
Perlgarn Nr. 5Chenillenadel22
Perlgarn Nr. 3Chenillenadel18 bis 20
Crewelwolle, 1 FadenChenillenadel22 bis 24
Crewelwolle, 2 FädenChenillenadel18 bis 20
Seidenband 4 mmChenillenadel20 bis 22
Seidenband 7 mmChenillenadel18

Die Fadenzahl entscheidest du also zuerst, die Nadel folgt ihr.

Wie viele Fäden Sticktwist zu welchem Stich und Stoff passen, erklärt der Ratgeber, wie viele Fäden du zum Sticken nimmst.

Und falls dich die Nummern auf der Perlgarn-Banderole verwirren: Was hinter Perlgarn, Crewelwolle und Seide steckt, steht im Vergleich der Stickgarne.

Auf Aida und anderen Zählstoffen

Beim Kreuzstich richtet sich die Nadel nach der Größe der Löcher.

Sie soll hindurchgleiten, ohne das Loch aufzuweiten, und gleichzeitig dick genug sein, um für zwei Fäden Sticktwist Platz zu schaffen.

ZählstoffKästchen pro 10 cmTapisserienadel
Aida 11 (11 pro Zoll)4322
Aida 145424, auch 26
Aida 166426
Aida 187026 oder 28
Leinen mit 11 Fäden pro cm, über zwei Fäden gesticktrund 55 Kreuze26 oder 28
Grober Stramin mit Wollgarn–18 bis 20

Zwischen 24 und 26 auf 14er-Aida entscheidet vor allem das Gefühl: Die 24 nimmt drei Fäden leichter auf, die 26 liegt feiner in der Hand.

Mehr zur Technik selbst findest du bei den Ideen rund um den Kreuzstich.

Was in die Grundausstattung gehört

Mein Rat für den Anfang: ein gemischtes Päckchen Sticknadeln von 3 bis 9 und ein paar Tapisserienadeln in Größe 24.

Damit fehlt dir für die ersten Monate nichts, und Chenille- und Strohnadeln kaufst du dazu, sobald ein Projekt mit Wolle oder vielen Knötchen ansteht.

Was neben den Nadeln wirklich auf den Tisch gehört, steht in der Liste der Dinge, die du zum Sticken brauchst.

Wenn Nadel und Garn nicht zusammenpassen

Eine falsche Nadel merkst du meistens nach den ersten Zentimetern. Diese Zeichen sind die häufigsten:

  • Der Faden franst nach kurzer Zeit aus und wird matt. Das Öhr ist zu eng oder die Nadel zu dünn, das Garn wird bei jedem Stich durch ein zu kleines Loch gezerrt. Nimm eine Nummer niedriger.
  • Rund um die Stiche bleiben Löcher sichtbar. Die Nadel ist zu dick für den Stoff. Auf feinem Gewebe fällt das besonders auf, eine Nummer höher löst es.
  • Die Nadel lässt sich nur mit Kraft durch den Stoff drücken. Bei Denim, Canvas oder mehreren Lagen ist sie meist zu dünn und biegt sich. Eine dickere Nadel geht leichter durch, und ein Fingerhut schont dabei deinen Finger.
  • Der Faden rutscht ständig aus dem Öhr. Das Öhr ist zu groß für das Garn. Nimm eine höhere Nummer oder lass das kurze Fadenende etwa eine Handbreit lang.
  • Beim Kreuzstich wirken einzelne Kreuze zerfasert. Die Nadel ist spitz und hat Stofffäden gespalten. Auf Zählstoff gehört eine Tapisserienadel.
  • Die Wicklungen eines Knötchens lassen sich nicht über die Nadel ziehen. Das Öhr ist dicker als der Schaft. Hier hilft nur die Strohnadel.

Dickes Garn einfädeln, ohne dass es auffasert

Mehrere Fäden Sticktwist, Perlgarn und vor allem Wolle fächern sich am Ende auf, sobald du sie ins Öhr schieben willst.

Statt das Ende anzulecken oder zu zwirbeln, falte es.

Leg das Garn ein paar Zentimeter vor dem Ende straff um den Nadelschaft, drück den Knick zwischen Daumen und Zeigefinger flach zusammen und zieh die Nadel heraus.

Jetzt hältst du eine flache, feste Schlaufe in den Fingern, und die schiebst du durchs Öhr.

Das klappt mit Wolle genauso gut wie mit sechs Fäden Sticktwist.

Ein Einfädler mit dünner Drahtschlaufe hilft bei feinen Sticknadeln.

Für große Öhre gibt es Einfädler aus einem flachen Metallplättchen mit Haken, der Wolle besser durchzieht und nicht so schnell verbiegt.

Und ein frisch und schräg geschnittenes Ende geht immer leichter durch als ein ausgefranstes.

Nadeln für Sonderfälle

Für Perlen brauchst du eine Perlennadel.

Sie ist sehr dünn und lang, in Größen von etwa 10 bis 15, und ihr Öhr ist nicht breiter als der Schaft, damit sie durch die kleinen Rocailles passt.

Für Sashiko gibt es eigene, auffallend lange Nadeln, auf die du mehrere Vorstiche hintereinander aufnimmst, bevor du den Faden durchziehst.

Und Metallicgarn verträgt ein großzügigeres Öhr, als seine Dicke vermuten lässt: Eine Nummer niedriger als bei gleich dickem Baumwollgarn verhindert, dass die feine Metallumwicklung am Öhr aufgeschoben wird und reißt.

Auf grobem Strick schließlich nimmst du eine stumpfe Tapisserienadel, damit du zwischen die Maschen stichst, statt das Garn zu spalten.

Noch vier Fragen zur Nadel

Geht zur Not auch eine normale Nähnadel?

Für einen einzelnen Faden Sticktwist ja.

Das kleine, runde Öhr einer Nähnadel nimmt aber kaum mehr als einen Faden auf, und schon zwei oder drei Fäden scheuern darin so stark, dass sie nach kurzer Zeit ausfransen.

Für alles darüber lohnt sich die Sticknadel.

Wann ist eine Nadel verbraucht?

Sobald sie beim Durchstechen hakt, sich rau anfühlt, verbogen ist oder dunkle Stellen zeigt.

Ein feiner Grat am Öhr reicht schon, um den Faden bei jedem Stich anzuritzen.

Lass die Nadel außerdem nicht wochenlang im Stoff stecken: Bei Feuchtigkeit kann sie Rostflecken hinterlassen, die sich kaum wieder auswaschen lassen.

Ein Nadelkissen oder ein kleiner Nadelmagnet am Rahmenrand ist der bessere Parkplatz.

Lohnen sich vergoldete Nadeln?

Nadeln mit vergoldetem oder platiniertem Öhr gleiten etwas leichter durch den Stoff und laufen nicht an.

Bei feuchten Händen oder einer Nickelempfindlichkeit sind sie eine Überlegung wert.

Für den Start brauchst du sie nicht, die gewöhnlichen vernickelten Nadeln tun denselben Dienst.

Welche Nadel ist gut für Kinder?

Eine Tapisserienadel in Größe 18 bis 22 auf grobem Stoff wie Stramin oder Aida 11.

Die stumpfe Spitze sticht nicht in die Finger, und das große Öhr lässt sich auch mit kleinen Händen gut einfädeln.

Für die Jüngsten gibt es Nadeln aus Kunststoff, die mit Wolle auf Lochstoff funktionieren.

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