Halt deinen Stoff einmal gegen ein Fenster, durch das Tageslicht fällt.
Siehst du deine Finger dahinter deutlich, kannst du das Motiv einfach durchpausen, und das ist für die meisten Stickbilder auch der beste Weg.
Bleibt der Stoff dunkel, ist er dick, flauschig oder dehnbar, muss die Linie von oben auf den Stoff kommen.
Für diesen Fall halte ich bedruckbares, wasserlösliches Klebevlies für die sicherste Lösung, weil es auf fast allem hält und nach dem Sticken im Wasserbad verschwindet.
Ob du dein Motiv selbst gezeichnet, ausgedruckt oder aus einem Buch abgepaust hast, spielt dabei keine Rolle.
Wenn du ein Motiv auf Stoff übertragen willst, entscheiden drei Fragen über den Weg: Wie hell und dünn ist der Stoff, darf das Stück nass werden, und muss die Linie später verschwinden oder darf sie unter den Stichen bleiben?
Sieben Wege nebeneinander
| Weg | Passt zu | Was aus der Linie wird | Schwachstelle |
|---|---|---|---|
| Gegen das Licht durchpausen | helle, dünne bis mittelschwere Stoffe wie Baumwolle, Leinen, Halbleinen | je nach Stift auswaschbar, verblassend oder bleibend | klappt nicht bei dunklem oder dickem Stoff |
| Kopierpapier für Stoff | glatte, feste Stoffe, mit hellem Papier auch dunkle | meist auswaschbar oder ausbürstbar | verwischt leicht, während du stickst |
| Transferstift zum Aufbügeln | helle, glatte Baumwolle und Leinen | bleibt dauerhaft | spiegelverkehrt zeichnen, Stiche müssen die Linie ganz decken |
| Wasserlösliches Klebevlies | dunkle, dicke, dehnbare und flauschige Stoffe, Kleidung | löst sich im Wasser auf | nur für Stücke, die nass werden dürfen; die Nadel wird klebrig |
| Seidenpapier aufheften | Frottee, Samt, Strick, grobes Gewebe | wird nach dem Sticken abgerissen | kleine Papierreste unter den Stichen |
| Lochpause mit Pauspulver | große Motive und Wiederholungen, auch auf dunklem Stoff | Pulver lässt sich abbürsten, die nachgezogene Linie bleibt | aufwendig, jede Linie muss nachgezogen werden |
| Direkt bedrucken | helle, dünne Baumwolle bis etwa A4 | Druckfarbe bleibt meist im Stoff | Tinte kann beim Waschen auslaufen |
Gegen das Licht durchpausen
Kleb den Ausdruck mit Malerkrepp an eine helle Fensterscheibe, leg den gebügelten Stoff darüber und kleb ihn ebenfalls an zwei Ecken fest.
Dann ziehst du die Linien mit einem feinen Stift nach.
Eine Leuchtplatte macht dasselbe am Tisch und unabhängig vom Wetter, ein Tablet mit weißem Bildschirm auf voller Helligkeit geht für kleine Motive auch.
Wichtiger als die Lichtquelle ist der Stift, denn er entscheidet, was aus der Linie wird.
Ein wasserlöslicher Markierstift gehört deshalb zu den Dingen, die du zum Sticken wirklich brauchst.
- Wasserlöslicher Stift zeichnet meist blau und geht mit klarem, kaltem Wasser wieder heraus. Für fast alle hellen Stoffe ist das meine erste Wahl.
- Luftlöslicher Stift zeichnet meist violett und verblasst von selbst, oft innerhalb von ein, zwei Tagen, bei feuchter Luft schneller. Damit zeichnest du nur vor, was du auch bald stickst.
- Stifte, die mit Hitze verschwinden, lösen sich unter dem Bügeleisen auf. Auf dunklen Stoffen bleibt dabei oft ein heller Schatten, und bei starker Kälte kann die Linie zurückkommen.
- Bleistift geht auf hellem Stoff, wenn du ihn hart und spitz hältst und nur dünn zeichnest. Graphit lässt sich aber nicht immer vollständig auswaschen und kann helles Garn grau färben, also nur dort, wo Stiche die Linie decken.
Für das Tablet: Leg eine Klarsichthülle auf den Bildschirm, bevor der Stoff darauf kommt.
Dann drückt der Stift nicht direkt aufs Glas, und der Stoff rutscht weniger.
Kopierpapier für Stoff
Im Nähbedarf gibt es beschichtetes Kopierpapier für Stoff, oft als Schneiderkopierpapier verkauft.
Du legst es mit der farbigen Seite nach unten auf den Stoff, darauf das Motiv, und ziehst die Linien mit einem leeren Kugelschreiber oder einem Kopierrädchen nach.
Das Rädchen hinterlässt eine gepunktete Linie, der Kugelschreiber eine durchgehende.
Für dunkle Stoffe nimmst du weißes oder gelbes Papier.
Am besten funktioniert das auf glatten, fest gewebten Stoffen und einer harten Unterlage.
Auf grobem Leinen bricht die Linie an jeder Fadenerhebung ab, welche Stoffe glatt genug sind, steht im Überblick über Stoffe zum Sticken.
Manche Sorten enthalten Wachs und lassen sich danach nicht vollständig auswaschen, deshalb lohnt ein Probestrich auf einem Rest.
Die Linien sind zart und reiben sich beim Arbeiten ab, also zeichnest du blasse Stellen gleich mit einem Markierstift nach.
Transferstift zum Aufbügeln
Ein Transferstift zeichnet auf Papier, und die Linie geht beim Bügeln auf den Stoff über.
Fertig gekaufte Bügelmuster arbeiten nach demselben Prinzip.
Die Linie ist danach dauerhaft, und das Motiv erscheint seitenverkehrt, was bei Buchstaben sofort auffällt.
- Pause das Motiv mit Bleistift auf dünnes Papier ab. Dreh das Blatt um und zieh die Linien auf der Rückseite mit dem Transferstift nach, dann landet es später richtig herum auf dem Stoff.
- Bügel den Stoff glatt und stell das Bügeleisen auf die Temperatur für Baumwolle, ohne Dampf.
- Leg das Papier mit der Stiftseite nach unten auf den Stoff und steck es an den Ecken fest.
- Setz das Bügeleisen auf, drück einige Sekunden, heb es an und setz es an der nächsten Stelle wieder auf. Schieben verwischt die Linie.
- Heb eine Ecke an und prüf, ob die Linie kräftig genug ist, bevor du das Papier ganz abnimmst.
Weil die Linie nicht mehr herausgeht, zeichnest du sie so dünn wie möglich.
Für Motive mit lockeren Stichen, offenen Flächen oder weißem Garn auf weißem Stoff ist ein Transferstift deshalb die falsche Wahl.
Klebevlies, das sich im Wasser auflöst
Dieses Vlies ist dünn, selbstklebend und lässt sich bedrucken.
Du druckst das Motiv darauf, welcher Druckertyp geht, steht auf der Packung.
Dann schneidest du es mit etwas Rand aus, ziehst die Schutzfolie ab, klebst es auf den Stoff und stickst direkt durch Vlies und Stoff.
Zum Schluss legst du das Stück in lauwarmes Wasser, bewegst es ein paarmal und spülst so lange nach, bis sich der Stoff nicht mehr steif oder klebrig anfühlt.
Auf dunklem Denim, Sweatstoff, Strick oder Cord, wo kein Stift sichtbar bleibt, ist das der zuverlässigste Weg.
Bei den Ideen zum Besticken von Kleidung landest du deshalb fast immer bei dieser Methode.
Zwei Dinge solltest du wissen.
Der Kleber setzt sich an der Nadel fest, deshalb wischst du sie zwischendurch mit einem Tuch ab, und eine etwas dickere Nadel zieht leichter durch die Lagen, welche Nadelgröße zu deinem Garn passt, kannst du nachlesen.
Außerdem muss das Stück das Wasserbad vertragen, und das Garn muss farbecht sein, denn kräftige Farben können beim Einweichen auf hellen Stoff abfärben.
Seidenpapier, das du hinterher abreißt
Für Frottee, Samt oder groben Strick taugt kein Stift, weil die Linie im Flor oder zwischen den Maschen verschwindet.
Hier paust du das Motiv auf Seidenpapier, heftest das Papier mit großen Vorstichen rund um das Motiv auf und stickst durch Papier und Stoff hindurch.
Wenn alles gestickt ist, reißt du das Papier vorsichtig ab, am besten entlang der Stiche und mit dem Daumen auf den Stichen, damit sie sich nicht lockern.
Kleine Reste unter den Stichen holst du mit einer Pinzette heraus, ein feuchtes Wattestäbchen weicht hartnäckige Fetzen auf.
Das klappt auch bei Stücken, die nicht nass werden dürfen.
Eine Variante ist das Durchheften.
Du nähst die Motivlinien mit kleinen Vorstichen und farbigem Nähgarn durch Papier und Stoff, reißt das Papier ab und stickst anschließend über die Heftlinie.
Die Heftstiche ziehst du am Ende wieder heraus.
Lochpause mit Pauspulver
Diese Methode stammt aus Zeiten, in denen in Werkstätten große Motive für Goldstickerei und Kirchentextilien vorgezeichnet wurden.
Sie lohnt sich heute noch, wenn dasselbe Motiv mehrmals auf den Stoff soll, etwa als Ranke rund um eine Tischdecke, denn die Schablone hält viele Durchgänge aus.
Du zeichnest das Motiv auf festes Transparentpapier, legst es auf eine weiche Unterlage wie Filz oder einen Teppichrest und stichst entlang der Linien etwa alle zwei Millimeter mit einer Nadel durch.
Dann legst du die Schablone auf den Stoff und reibst Pauspulver mit einem eingerollten Filzstück in kleinen Kreisen durch die Löcher.
Auf hellen Stoff kommt dunkles Pulver aus Holzkohle, auf dunklen Stoff helles aus Kreide.
Heb die Schablone gerade nach oben ab, sonst verwischt das Punktbild.
Das Pulver allein hält nicht, ein Ärmel streift es schon wieder weg.
Deshalb verbindest du die Punkte sofort mit einem feinen Pinsel und dünner Wasserfarbe oder mit einem harten Bleistift, und diese Linie bleibt dann unter den Stichen.
Bei einem großen Stickbild für die Wand mit vielen wiederkehrenden Formen ist das die Arbeit wert.
Direkt aus dem Drucker
Glatte, dünne Baumwolle kannst du mit Freezer Paper bedrucken, einem Papier mit Kunststoffbeschichtung auf einer Seite.
Du bügelst die glänzende Seite ohne Dampf auf die Rückseite des Stoffs, schneidest beides gerade auf A4 zu und schickst es durch einen Tintenstrahldrucker.
Nach dem Trocknen ziehst du das Papier wieder ab.
Das Ergebnis ist das genaueste von allen sieben Wegen, auch feine Details kommen sauber auf den Stoff.
Die Tinte ist aber meist nicht waschecht und kann im Wasser auslaufen.
Druck das Motiv deshalb in hellem Grau und mit dünnen Linien, und stick so, dass jede Linie bedeckt ist.
Damit das Motiv gerade auf dem Stoff sitzt
Bügel den Stoff, bevor irgendeine Linie darauf kommt, denn eine Falte unter dem Papier wird zu einem Knick im Motiv.
Für die Mitte faltest du den Stoff einmal längs und einmal quer und streichst die Falten mit dem Fingernagel nach.
Zeichne auch auf dem Papier zwei Mittellinien ein und leg sie genau auf die Falten.
Richte das Motiv dabei am Fadenlauf aus, also an den Kett- und Schussfäden, nicht an der Schnittkante, die oft schief ist.
Übertragen wird in der Regel auf dem flach liegenden Stoff, bevor er in den Rahmen kommt.
Wie du ihn danach faltenfrei in den Stickrahmen spannst, ohne die Linien schief zu ziehen, ist der nächste Schritt.
Wenn die Linie nicht mitspielt
- Wasserlösliche Linie überbügelt. Hitze kann die Farbe fixieren, deshalb bügelst du erst, wenn die Linie ausgewaschen ist. Ist es schon passiert, hilft oft mehrmaliges Spülen in kaltem Wasser, ganz sicher geht sie dann nicht mehr heraus.
- Luftlösliche Linie verschwindet mitten im Motiv. Zeichne nur den Teil an, den du in den nächsten Stunden stickst, und hol den Rest später nach.
- Bleibende Linie schaut neben den Stichen hervor. Stich genau auf die Linie statt daneben, und halte Rückstiche in engen Kurven kürzer, damit sie der Linie folgen können.
- Heller Schatten auf dunklem Stoff. Den hinterlassen oft die Stifte, die mit Hitze verschwinden. Auf dunklen Stoffen nimmst du lieber helles Kopierpapier oder Klebevlies.
- Graue Spuren im hellen Garn. Bleistift oder Kopierpapier färben ab, wenn die Hand beim Sticken darüberreibt. Leg ein Stück Papier unter die Hand und zeichne nicht mehr an, als nötig ist.





