Stoffgröße berechnen beim Sticken: So viel Rand braucht’s

Leinenstoff mit Maßband, Schere und Stickrahmen beim Abmessen des Stoffrands für ein Stickmotiv

Die Schere ist der einzige Schritt beim Sticken, den du nicht auftrennen kannst.

Deshalb lohnt es sich, die Stoffgröße vorher zu berechnen, statt nach Gefühl abzuschneiden.

Die kurze Antwort: Rechne vom Rand des Motivs aus an jeder Seite mindestens 7 bis 8 cm Stoff dazu, für ein Bild hinter Glas eher 9 bis 10 cm.

Der Grund dafür ist selten das Motiv selbst.

Der Stoff muss beim Sticken in den Rahmen passen, und er muss am Ende irgendwohin: um einen Ring, um eine Pappe oder in eine Naht.

Wie viel Rand du wirklich brauchst, hängt also davon ab, wie das Stück endet.

Wie viel Rand für welches Ende

Alle Angaben gelten pro Seite, gemessen von der äußersten Kante des Motivs bis zur Schnittkante.

  • Das Stück bleibt im Stickrahmen und hängt an der Wand. Zwischen Motiv und Ring gehören 2 bis 3 cm Luft, außen um den Ring mindestens 5 cm, die du auf der Rückseite einschlägst. Zusammen sind das 7 bis 8 cm. Welche Rahmengröße dazu passt, steht im Ratgeber zum richtigen Stickrahmen für dein Motiv.
  • Das Bild kommt hinter Glas. Hier addierst du drei Dinge: den Stoff, der sichtbar um das Motiv bleiben soll, das Stück, das unter dem Passepartout oder der Rahmenkante verschwindet, und 4 bis 5 cm, die du um die Rückwand schlägst und dort festspannst. Meist landest du bei 9 bis 10 cm.
  • Der Stoff wird über einen Keilrahmen gespannt. Zur sichtbaren Fläche kommt die Tiefe des Keilrahmens dazu, meist knapp 2 cm, bei tiefen Galerierahmen rund 4 cm, plus 4 bis 5 cm für die Rückseite, an der du tackerst.
  • Aus dem Stoff wird ein Kissen, eine Tasche oder eine Tischdecke. Das Zuschnittmaß aus dem Schnitt samt Nahtzugabe reicht nicht, weil das Motiv oft nah an einer Naht sitzt und der Stickrahmen dort keinen Halt mehr fände. Du stickst deshalb auf einem größeren Stück und schneidest erst danach zu.

Bei Kleidung stellt sich die Frage andersherum, denn zuschneiden musst du nichts.

Prüf stattdessen, ob der Rahmen rund um die Stelle greift.

Nah an Nähten, Kragen oder Bündchen hilft ein kleinerer Rahmen, und bei dehnbaren Shirts brauchst du zusätzlich Stickvlies auf der Rückseite, damit sich der Stoff im Rahmen nicht verzieht.

Schneid eine Kissenplatte oder ein Taschenteil nie vor dem Sticken auf das fertige Maß.

Zeichne die Schnittlinie mit einem auswaschbaren Stift oder ein paar Heftstichen auf das große Stück, stick innerhalb dieser Linie und schneide erst zu, wenn die letzte Stelle fertig ist.

So hat der Rahmen bis zum Schluss genug Stoff zum Greifen.

Schema: Stoffzuschnitt mit Motiv in der Mitte und gleich breitem Rand an allen vier Seiten
Der Rand kommt an beide Seiten, also zweimal in die Breite und zweimal in die Höhe.

Der Rand gehört an jede Seite

Der häufigste Rechenfehler ist schnell passiert: Man rechnet den Rand einmal dazu statt zweimal.

Ein Motiv mit 15 cm Breite und 8 cm Rand braucht keinen Stoff von 23 cm, sondern von 31 cm.

Die Formel lautet also Motivbreite plus zweimal Rand, und dasselbe noch einmal für die Höhe.

Die Motivgröße selbst bekommst du auf zwei Wegen.

Bei freier Stickerei misst du die Vorlage an der breitesten und an der höchsten Stelle, und zwar mit allem, was dazugehört: Stiele, Blätter, die weit hinausragen, Schrift unter dem Motiv.

Bei Kreuzstich nach Zählvorlage rechnest du aus der Zahl der Kreuze und dem Zählmaß, wie das im Ratgeber zum Zählmaß von Aida-Stoff Schritt für Schritt erklärt ist.

Auf Evenweave oder Leinen, wo du über zwei Fäden stickst, teilst du die Fadenzahl pro Zoll vorher durch zwei.

Ein Kreuzstichbild von der Vorlage bis zum Zuschnitt

Angenommen, deine Vorlage hat 90 Kreuze in der Breite und 60 in der Höhe, du stickst auf Aida 16, und das Bild soll später hinter Glas.

  1. Breite des Motivs: 90 Kreuze geteilt durch 16, mal 2,54. Das ergibt rund 14,3 cm.
  2. Höhe des Motivs: 60 geteilt durch 16, mal 2,54. Das ergibt rund 9,5 cm.
  3. Rand für das Rahmen hinter Glas: 9 cm pro Seite, also 18 cm in jeder Richtung.
  4. Zuschnitt nach dieser Rechnung: 14,3 plus 18 ergibt 32,3 cm, aufgerundet 33 cm. 9,5 plus 18 ergibt 27,5 cm, aufgerundet 28 cm.
  5. Gegenprobe mit dem Stickrahmen: Für 14,3 cm Motivbreite mit Luft an beiden Seiten brauchst du einen Rahmen mit 20 cm. Außen herum je 5 cm macht 30 cm, und zwar in beide Richtungen, weil der Rahmen rund ist.

Die Höhe von 28 cm reicht für das fertige Bild, aber nicht für den Rahmen beim Sticken.

Schneid deshalb 33 mal 30 cm zu.

Genau diese Gegenprobe vergessen viele, und dann sitzt der Stoff an zwei Seiten nur knapp im Ring und rutscht bei jedem Stich ein Stück nach.

Mehr Anregungen für Bilder dieser Art findest du bei den Ideen für Kreuzstich.

Rückwärts rechnen, wenn der Bilderrahmen schon feststeht

Manchmal ist der Rahmen zuerst da, ein Erbstück, ein Fund vom Flohmarkt oder ein Standardformat, das zu den anderen Bildern an der Wand passen soll.

Dann rechnest du nicht vom Motiv nach außen, sondern vom Rahmen nach innen.

Maßgeblich ist das Format, für das der Rahmen gebaut ist, also die Größe von Glas und Rückwand, nicht die Außenkante der Leiste.

Um diese Rückwand schlägst du den Stoff, deshalb kommen an jeder Seite 4 bis 5 cm dazu.

Für einen Rahmen im Format 24 mal 30 cm schneidest du also rund 34 mal 40 cm zu.

Danach prüfst du, ob dein Motiv sinnvoll hineinpasst.

Mit Passepartout zählt dessen Ausschnitt, und das Motiv sollte darin noch spürbar Luft haben, sonst wirkt es eingequetscht.

Ohne Passepartout verschwinden an jeder Seite einige Millimeter unter der Leiste, die du ebenfalls freihalten musst.

Wie solche Bilder an der Wand wirken können, zeigen die Ideen für Stickbilder und Wandkunst.

Was dir vor dem Zuschneiden noch Stoff wegnimmt

Leinen und Baumwolle laufen beim ersten Waschen ein, bei Leinen sind ein paar Prozent normal.

Bei drei Prozent wird aus einem Stück von 40 cm eines mit knapp 39 cm.

Für alles, was später in die Wäsche kommt, schneidest du deshalb großzügig zu, wäschst vor und misst erst danach nach.

Wann sich das Vorwaschen lohnt und wann nicht, steht im Ratgeber, welcher Stoff sich zum Sticken eignet.

Frische Schnittkanten fransen aus, Leinen besonders schnell.

Bis das Stück fertig ist, kann so leicht ein Zentimeter pro Seite verloren gehen.

Versäubere die Kanten mit einem Zickzackstich, schlag sie schmal um oder kleb bei Aida einen Streifen Kreppband über die Kante.

Auch der Fadenlauf kostet manchmal Stoff.

Schneidest du schräg zum Gewebe, sitzt das Motiv später schief, sobald du es gerade aufhängst.

Bei Leinen und Zählstoffen ziehst du deshalb an der Schnittlinie einen einzelnen Faden heraus und schneidest entlang der Lücke, die er hinterlässt.

Gerade Kanten helfen dir auch dabei, den Stoff mit geradem Fadenlauf in den Rahmen zu spannen.

Wenn der Zuschnitt fertig ist, falte ihn einmal längs und einmal quer.

Der Schnittpunkt der beiden Falten ist die Mitte, an der du das Motiv ausrichtest, ganz gleich, wie du es später auf den Stoff überträgst.

Doch zu knapp? So bekommt der Stoff wieder Rand

Ist der Stoff schon geschnitten und zu klein, musst du nicht neu anfangen.

Näh an alle vier Kanten Streifen aus einem alten, festen Baumwollstoff, mit der Maschine oder mit kleinen Rückstichen von Hand und etwa 1 cm Nahtzugabe.

Die Streifen sollten so breit sein, dass außen um den Rahmen wieder 5 cm Stoff überstehen.

Der Stickrahmen greift dann auf der angesetzten Bahn statt auf dem kostbaren Stoff.

Achte nur darauf, dass die Naht nicht genau unter dem Ring liegt, denn dort drückt sie eine Kante in den Stoff, und der Rahmen hält schlechter.

Auch für das Rahmen hinter Glas taugen solche Streifen.

Du spannst den Stoff dann an den angesetzten Bahnen um die Rückwand, und von vorne sieht niemand, dass der Rand nicht aus einem Stück ist.

Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert