Stickrahmen spannen: Stoff faltenfrei und gerade einspannen

Gespannter Leinenstoff in einem Holzstickrahmen, zwei Hände ziehen den Stoffrand am Ring sacht nach

Wenn du mit dem Fingernagel auf gut gespannten Stoff tippst, klingt es dumpf und fest, ungefähr wie auf einer kleinen Trommel.

Das ist das eine Ziel.

Das andere fällt erst auf, wenn du genau hinsiehst: Die Fäden des Gewebes laufen nach dem Spannen noch genauso gerade wie vorher.

Beides bekommst du, wenn du beim Stickrahmen-Spannen den Außenring mit leichtem Widerstand aufdrückst, den Stoff danach in kleinen Zügen rundherum nachziehst und erst ganz am Schluss die Schraube fest anziehst.

Wer stattdessen kräftig am Stoff zerrt, hat zwar seine Trommel, aber auch kleine Wellen rund um die Stiche, sobald die Arbeit wieder aus dem Rahmen kommt.

Diese Anleitung geht vom klassischen Holzrahmen mit Schraube aus.

Welcher Rahmen zu deinem Projekt passt, steht im Vergleich von Holz-, Kunststoff- und Klemmrahmen, und wie du Federring und Klemmrahmen spannst, kommt weiter unten.

Was vor dem Einspannen erledigt sein sollte

Bügle den Stoff, bevor er in den Rahmen kommt.

Eine Knickfalte, die einmal unter dem Ring eingeklemmt ist, bekommst du durch Ziehen nicht mehr heraus, und mitten im Motiv bleibt sie als heller Strich sichtbar.

Baumwolle und Leinen glättest du am besten leicht feucht oder mit Dampf.

Leg den Rahmen dann einmal probeweise auf.

So siehst du, ob das vorgezeichnete Motiv mittig sitzt und rundum genug Abstand zum Ring hat.

Bei Zählstoff wie Aida kannst du die Mitte mit zwei Heftfäden markieren, die genau einer Gewebereihe folgen, einer waagrecht und einer senkrecht.

Sie zeigen dir beim Einspannen gleich mit, ob der Fadenlauf gerade liegt.

Ist dein Stoff glatt oder fein, etwa Batist, dünnes Leinen oder Seide, umwickle vorher den Innenring mit Baumwollband.

Das Band gibt dem Stoff Halt und federt den Druck des Rings etwas ab.

Wie du es anlegst, steht bei der Grundausstattung, die du zum Sticken wirklich brauchst.

Den Stoff einspannen, Zug um Zug

Querschnitt durch einen Stickrahmen: Der Stoff läuft zwischen den Ringen über den Innenring, der vorn etwas übersteht
So sitzt alles am Ende: Der Stoff läuft zwischen den Ringen hoch und über den Innenring, der vorn ein kleines Stück übersteht.
  1. Lockere die Schraube, bis sich die Ringe leicht trennen lassen. Leg den Innenring auf eine feste, flache Unterlage, am besten direkt auf den Tisch.
  2. Leg den Stoff mit der Vorderseite nach oben darüber. Richte ihn so aus, dass das Motiv in der Mitte liegt und die Gewebefäden parallel zur Tischkante laufen.
  3. Setz den Außenring auf und prüf den Widerstand, bevor du richtig drückst. Fällt er ohne jeden Druck nach unten, zieh die Schraube etwas an. Geht er auch mit festem Druck nicht weiter, lockere sie ein Stück. Richtig ist es, wenn er mit gleichmäßigem Druck beider Handballen gerade so über Stoff und Innenring gleitet.
  4. Drück den Außenring rundum gleichmäßig herunter, bis er unten mit dem Innenring abschließt. Streich danach mit der flachen Hand über die Stoffmitte und fühl, ob sich irgendwo noch eine Welle hält.
  5. Zieh den Stoff in kleinen Zügen nach. Fass ihn außerhalb des Rings, zieh sacht nach außen und dann genau gegenüber. Arbeite dich so in Paaren rundherum: oben und unten, links und rechts, zuletzt die Diagonalen.
  6. Heb den Rahmen hoch und schieb den Innenring mit den Daumen von hinten ein bis zwei Millimeter nach oben, sodass er auf der Vorderseite etwas über den Außenring hinaussteht. Der Stoff läuft dann über eine Kante und kann schlechter zurückrutschen.
  7. Zieh die Schraube jetzt fest an. Bei einer Schraube mit Schlitz hilft ein kleiner Schraubendreher, denn mit den Fingern allein kommst du selten weit genug.

Wohin mit der Schraube? Dreh den Rahmen so, dass die Schraube dort sitzt, wo dein Faden beim Durchziehen nicht hinkommt. Viele Rechtshänderinnen legen sie nach oben links, Linkshänderinnen nach oben rechts. Hängt sich der Faden trotzdem ständig daran auf, dreh einfach weiter, bis Ruhe ist.

Zwei Prüfungen, bevor du einfädelst

Die erste kennst du schon: Tipp mit dem Fingernagel auf den Stoff.

Klingt es hohl und gibt er unter dem Finger deutlich nach, ist er zu locker.

Ein kleines Nachgeben ist in Ordnung, ein Gewebe ist schließlich keine Folie.

Die zweite Prüfung ist die wichtigere.

Schau dir die Gewebefäden an, bei Aida die Kästchenreihen, bei Leinen die einzelnen Fäden.

Sie sollten von Ring zu Ring gerade laufen.

Biegen sie sich zu einer Seite hin, hast du dort stärker gezogen als gegenüber.

Vergleich zweier gespannter Stoffe: links gerade Gewebefäden, rechts zur Seite gebogene, verzogene Fäden
Links laufen die Gewebefäden gerade, rechts ist der Stoff verzogen und sollte neu gespannt werden.

Ein verzogenes Gewebe springt zurück, sobald du den Rahmen abnimmst.

Alle Stiche, die du auf dem gedehnten Stoff gesetzt hast, passen dann nicht mehr zu dem Platz, den sie haben, und rund um dichte Stellen wirft der Stoff kleine Wellen.

Ist er dagegen zu locker, zieht ihn jeder Stich ein Stück zusammen, und die Wellen entstehen schon beim Sticken.

Bei den ersten Stichen, mit denen Anfänger am besten starten, verzeiht ein leicht lockerer Stoff noch einiges, weil Linienstiche wenig Zug ausüben.

Bei dichten Plattstichflächen siehst du jeden Fehler beim Spannen sofort.

Liegt also eine Gewebereihe schief, lockere die Schraube, zieh auf der Gegenseite nach oder spann ganz neu ein.

Das kostet dich eine Minute und spart dir später eine Menge Ärger.

Wenn der Stoff nach einer Stunde nachgibt

Dass der Stoff mit der Zeit lockerer wird, ist kein Fehler beim Einspannen.

Jeder Stich bewegt das Gewebe ein wenig, und Naturfasern geben unter Spannung langsam nach.

Leinen merkst du das deutlich an, Aida kaum.

Prüf die Spannung deshalb jedes Mal, wenn du wieder anfängst, und zwischendurch immer dann, wenn der Trommelton dumpfer wird.

Zum Nachspannen ziehst du nur am Stoffrand außerhalb des Rings, nie in der Mitte und nie dort, wo schon gestickt ist.

Die Reihenfolge ist dieselbe wie beim Einspannen.

Sitzt die Schraube schon so fest, dass sich nichts mehr bewegt, lockere sie eine halbe Umdrehung, zieh nach und dreh sie wieder zu.

Draufsicht auf einen Stickrahmen mit nummerierten Zugrichtungen: erst oben und unten, dann links und rechts, dann die Diagonalen
Immer paarweise ziehen, jeweils gegenüber: erst 1 und 2, dann 3 und 4, an den Diagonalen 5 bis 8 nur ganz sacht.

Die Diagonalen bekommen bewusst nur einen leichten Zug.

Schräg zum Fadenlauf gibt jedes Gewebe am stärksten nach, und genau dort verzieht es sich am schnellsten.

Den Rahmen über fertige Stiche setzen

Ist dein Motiv größer als der Rahmen, musst du ihn irgendwann versetzen.

Der Ring drückt dann auf bereits gestickte Stellen und walzt sie platt.

Leg deshalb ein Blatt Seidenpapier über den fertigen Bereich, bevor du den Außenring aufdrückst, und reiß danach in der Mitte ein Fenster heraus, damit du weitersticken kannst.

Ein dünnes Baumwolltuch funktioniert genauso.

Plastische Stiche gehören gar nicht unter den Ring.

Knötchenstiche, gewebte Rosen und dichte Polsterflächen stickst du am besten erst ganz zum Schluss, wenn der Rahmen nicht mehr wandern muss.

Zwischen zwei Abenden lockerst du die Schraube oder nimmst den Stoff ganz heraus.

Hat sich trotzdem ein Ring eingedrückt, feuchte die Stelle an und bügle sie von links auf einem gefalteten Handtuch.

Das weiche Polster darunter sorgt dafür, dass die Stiche dabei nicht flach gedrückt werden.

Soll die fertige Arbeit später im Rahmen an der Wand hängen, spannst du sie mit genau diesen Schritten noch einmal frisch ein.

Dort fällt jede kleine Welle noch mehr auf als beim Sticken, weil das Licht seitlich über den Stoff streicht.

Wie solche Stücke aussehen können, zeigen die Ideen für gestickte Wandbilder.

Federring und Klemmrahmen spannen anders

Beim Federringrahmen legst du den Stoff mit der Vorderseite nach oben über den Kunststoffring.

Dann drückst du die beiden Griffe des Metallrings zusammen, setzt ihn von oben innen in die Rille und lässt los.

Der Stoff liegt danach wie der Boden einer flachen Schale.

Nachziehen kannst du ihn vorsichtig am Rand, solange die Feder sitzt, und zum Lösen drückst du die Griffe einfach wieder zusammen.

Beim Klemmrahmen steckst du zuerst die Rohre zusammen und legst den Stoff mit geradem Fadenlauf darüber.

Die Klammern drückst du von oben auf, eine Seite nach der anderen, und rollst sie anschließend ein Stück nach außen.

Durch dieses Abrollen wird der Stoff gespannt, und weil du jede Seite einzeln drehst, kannst du die Spannung genau dort erhöhen, wo sie fehlt.

Stoffe, die sich gegen den Ring wehren

  • Jersey und Strick: Hier gilt das Gegenteil von allem oben. Zieh dehnbaren Stoff nicht straff, sonst springt das Motiv beim Tragen in Falten. Spann ein Stickvlies mit ein, das die Spannung übernimmt, und lass den Stoff selbst nur glatt darauf liegen.
  • Seide, Satin und feine Viskose: Diese Stoffe rutschen im glatten Holzring und behalten leicht einen Abdruck. Ein umwickelter Innenring oder ein Kunststoffrahmen mit Lippe hält sie besser, und aus dem Rahmen kommen sie nach jeder Sitzung.
  • Zu kleine Stoffstücke: Heft das Stück auf einen größeren Baumwollstoff und spann diesen ein. Von hinten schneidest du den Hilfsstoff dann innerhalb der Heftnaht vorsichtig weg, sodass du nur durch dein eigentliches Stück stichst.
  • Samt und Cord: Der Ring drückt den Flor dauerhaft platt. Mit demselben Trick wie bei kleinen Stücken hält der Rahmen nur den Hilfsstoff, und der Samt liegt locker darüber.
  • Dicke Stoffe wie Canvas, Denim oder Filz: Öffne die Schraube vor dem Aufsetzen deutlich weiter, und nimm bei mehreren Lagen lieber einen tieferen Rahmen. Filz musst du kaum spannen, er hat keinen Fadenlauf, der sich verziehen kann. Wie sich die einzelnen Stoffe beim Sticken verhalten, steht in der Übersicht, welcher Stoff sich zum Sticken eignet.
Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert