Stoff zum Sticken: Welcher Stoff eignet sich wirklich?

Leinen, Baumwollstoff und Aida in Naturtönen neben einem Holzstickrahmen und Stickgarn

Für die meisten Stickprojekte ist ein fester, glatt gewebter Stoff aus Naturfaser die richtige Wahl: Leinen, ein mittelschwerer Baumwollstoff oder eine Mischung aus beidem.

Für Kreuzstich nimmst du stattdessen einen Zählstoff wie Aida, auf dem jedes Kreuz sein eigenes Kästchen hat.

Schwierig wird es erst bei allem, was sich dehnt, rutscht oder durchscheint.

Genau da lohnt sich ein genauerer Blick.

Was einen Stoff gut bestickbar macht

Bevor du Namen wie Leinen oder Canvas vergleichst, hilft es zu wissen, worauf die Nadel eigentlich reagiert.

Fünf Eigenschaften entscheiden fast alles.

  • Die Webart. Am angenehmsten ist Leinwandbindung, bei der Kett- und Schussfaden abwechselnd über- und untereinander laufen. Das ergibt eine ruhige, gleichmäßige Fläche, auf der jeder Stich dort liegen bleibt, wo du ihn hinsetzt.
  • Die Dichte. Liegen die Fäden zu locker, rutschen kurze Stiche ins Gewebe und Knötchen ziehen sich nach hinten durch. Ist der Stoff extrem dicht, kämpfst du mit jedem Einstich, vor allem mit mehrfädigem Garn.
  • Die Faser. Baumwolle und Leinen halten die Spannung im Rahmen, lassen sich heiß bügeln und vertragen Wasser, wenn du eine Vorzeichnung auswaschen musst. Reines Polyester rutscht eher und verträgt nur eine niedrige Bügeltemperatur.
  • Die Dehnbarkeit. Alles, was nachgibt, verzieht sich im Rahmen und federt danach zurück. Das Motiv wellt sich dann genau in dem Moment, in dem du den Rahmen abnimmst.
  • Das Gewicht. Ein Stoff von grob 120 bis 250 Gramm pro Quadratmeter trägt auch dichte Flächen, ohne sich zusammenzuziehen. Sehr dünne Stoffe kräuseln sich unter gefüllten Flächen, und Fäden auf der Rückseite scheinen durch.

Stoff und Garn gehören zusammen: Ein feiner Stoff verträgt kein dickes Wollgarn, ein grobes Leinen lässt einen einzelnen Faden Sticktwist fast verschwinden.

Wie sich die einzelnen Fasern verhalten, steht im Vergleich von Baumwoll-, Seiden- und Wollgarn.

Glatte Stoffe für freies Sticken

Beim freien Sticken zeichnest du ein Motiv vor und stickst ohne Raster.

Dafür brauchst du keine sichtbaren Kästchen, sondern eine glatte, stabile Fläche.

Leinen

Leinen ist meine erste Wahl, sobald ein Stück aufgehängt oder verschenkt werden soll.

Die leicht unregelmäßigen Fäden geben dem Stoff Charakter, und die natürlichen Töne zwischen Hellbeige und Grau lassen fast jede Garnfarbe klar stehen.

Im Rahmen hält Leinen die Spannung sehr gut, und es verzeiht es, wenn du einen Stich wieder auftrennst.

Der Haken: Es knittert stark, und unbehandeltes Leinen läuft beim ersten Waschen ein.

Achte beim Kauf auf eine gleichmäßige, nicht zu lockere Webung.

Grobes Dekoleinen mit sichtbaren Lücken passt eher zu Wollgarn als zu feinen Linien.

Baumwolle

Ein fester Baumwollstoff in Leinwandbindung ist der günstige, unkomplizierte Einstieg.

Gut funktionieren die Baumwollstoffe, die fürs Patchwork verkauft werden, Popeline für zarte Motive mit wenig Fläche und Baumwoll-Canvas für Taschen oder Kissen.

Baumwolle ist glatter als Leinen, das erleichtert das Vorzeichnen und lässt feine Linien sehr sauber aussehen.

Für den ersten Rahmen, auf dem du die ersten Stiche zum Üben ausprobierst, brauchst du nichts anderes.

Baumwoll-Leinen-Mischungen

Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen, oft als Halbleinen verkauft, liegen genau dazwischen.

Sie haben etwas von der Struktur des Leinens, knittern weniger und sind meist günstiger.

Für Stickbilder im Rahmen ist das ein sehr guter Kompromiss.

Musselin und Batist

Diese dünnen, leichten Baumwollstoffe sehen zart aus, sind als einzelne Lage aber schwierig.

Garnenden und Fäden, die du auf der Rückseite von einem Motivteil zum nächsten führst, scheinen durch, und gefüllte Flächen ziehen den Stoff zusammen.

Wenn du sie trotzdem willst, leg eine zweite Lage festeren Baumwollstoff darunter und spann beide zusammen in den Rahmen.

Zählstoffe für Kreuzstich und Blackwork

Bei Kreuzstich und Blackwork zählst du nach Vorlage, deshalb muss das Gewebe ein gleichmäßiges Raster bieten.

Solche Zählstoffe gibt es in zwei Grundformen.

Was du später darauf stickst, zeigen die Ideen für Kreuzstich.

Aida

Aida ist so gewebt, dass Fadenbündel kleine Kästchen bilden, mit gut sichtbaren Löchern an den Ecken.

Jedes Kreuz kommt über ein Kästchen, das Zählen geht dadurch fast von allein.

Die Feinheit wird in Kästchen pro Zoll angegeben.

14 Kästchen pro Zoll sind der gängige Einstieg und entsprechen rund 55 Kästchen auf zehn Zentimetern.

Mit 11 Kästchen pro Zoll werden die Kreuze größer und leichter zu treffen, mit 16 oder 18 feiner, und das Motiv wird kleiner.

Evenweave und Zählleinen

Bei Evenweave, im Handel oft als Etamin geführt, sind Kett- und Schussfäden einzeln und gleich dick, ohne Kästchenstruktur.

Meist stickst du hier über zwei Fäden in jede Richtung.

Ein Stoff mit 28 Fäden pro Zoll ergibt so 14 Kreuze pro Zoll, also dieselbe Motivgröße wie Aida mit 14 Kästchen, nur mit einem weicheren, feineren Bild.

Zählleinen funktioniert genauso, hat aber die typischen kleinen Dickenunterschiede im Faden.

Beides ist etwas mühsamer zu zählen, dafür sieht ein Kreuzstichmotiv darauf deutlich weniger nach Bastelpackung aus.

Freies Sticken auf Aida geht übrigens auch, nur bestimmen die Löcher, wohin die Nadel will.

Rundungen und schräge Linien werden dadurch kantig.

Stoffe, die du erst bändigen musst

Jeansjacke, Strickpulli, Samtkissen: Vieles, was man besticken möchte, ist kein klassischer Stickstoff.

Es geht trotzdem, braucht aber etwas Vorbereitung.

  • Denim ist fest und in Köperbindung gewebt, also mit feinen diagonalen Rippen. Er hält Stiche gut, ist aber dick, deshalb brauchst du eine kräftige, spitze Nadel. Stretchjeans mit Elasthan verziehen sich, dort gehört Stickvlies auf die Rückseite. Was auf Jeans gut aussieht, findest du bei den Ideen für bestickte Jeans und Denim.
  • Strick und Jersey dehnen sich in alle Richtungen. Ohne Stickvlies auf der Rückseite verziehst du die Maschen schon beim Einspannen.
  • Samt und Cord haben einen Flor, in dem kleine Stiche versinken. Kräftige Stiche wie Kettenstich oder Knötchenstich setzen sich besser durch als ein feiner Rückstich, welcher Stich wofür taugt, zeigt die Übersicht über 22 Stickstiche. Spann Samt nur locker ein, sonst bleibt der Abdruck des Rahmens im Flor. Für Kissen lohnt sich der Aufwand, Anregungen gibt es bei den bestickten Kissen und Wohntextilien.
  • Filz franst nicht aus und hat keinen Fadenlauf. Für Anhänger, Patches und kleine Figuren ist er dankbar, für Stickbilder mit feinen Details dagegen zu weich und zu dick.
  • Seide und Chiffon sind rutschig und empfindlich. Ohne Unterlage und mit einer zu dicken Nadel bleibt jeder aufgetrennte Stich als Loch sichtbar.

Vom Vorhaben zum passenden Stoff

Du willst …Guter StoffDarauf achten
dein erstes Übungsstück stickenfester Baumwollstoff oder Halbleinenhell wählen, damit die Vorzeichnung gut sichtbar ist
ein Stickbild im Rahmen aufhängenLeinen oder Baumwoll-Leinen-Mischungrundum einige Zentimeter größer zuschneiden als den Rahmen
Kreuzstich nach Zählvorlage arbeitenAida mit 14 Kästchen oder Evenweave mit 28 Fäden pro ZollFeinheit passend zur Vorlage wählen, sonst ändert sich die Motivgröße
einen Kissenbezug bestickenBaumwoll-Canvas oder Leinenvorwaschen, weil der Bezug später in die Wäsche kommt
eine Stofftasche bestickenBaumwoll-CanvasRückseite der Stickerei später mit Futter verdecken
ein Kleidungsstück bestickenden Stoff, den es hatbei Dehnung Stickvlies einplanen
Anhänger oder Patches machenFilzKanten müssen nicht versäubert werden

So prüfst du einen Stoff schon im Laden

Ein Etikett mit „100 % Leinen“ sagt noch nicht, ob sich der Stoff gut besticken lässt.

Diese kurzen Handgriffe verraten mehr.

  1. Halte den Stoff gegen das Licht. Gleichmäßig durchscheinend ist gut, dünne Stellen oder Lücken zwischen den Fäden bedeuten, dass kleine Stiche später darin rutschen.
  2. Zieh ihn schräg zum Fadenlauf auseinander. Ein wenig Nachgeben ist bei jeder Webware normal, gibt er aber stark nach, verzieht er sich im Rahmen.
  3. Streich mit dem Fingernagel kräftig über die Fläche. Verschieben sich die Fäden dabei sichtbar, ist das Gewebe zu locker für feine Linien.
  4. Knüll eine Ecke kurz in der Faust zusammen. Harte Knicke bedeuten viel Bügeln, bei Leinen ist das normal, bei Baumwolle eher ein Zeichen für dünne Ware.
  5. Lies das Etikett zu Ende. Elasthan heißt, dass du Vlies brauchst, ein hoher Polyesteranteil heißt niedrige Bügeltemperatur.

Was außer dem Stoff noch auf die Einkaufsliste gehört, steht in der Liste mit dem Zubehör, das du zum Sticken wirklich brauchst.

Vorwaschen, aber nicht bei jedem Projekt

Alles, was später in die Waschmaschine kommt, also Kissenbezüge, Tischwäsche und Kleidung, wäschst du vor dem Sticken einmal so, wie du es später waschen wirst.

Leinen und Baumwolle laufen beim ersten Waschen ein, bei Leinen sind ein paar Prozent ganz normal.

Passiert das erst nach dem Sticken, zieht sich der Stoff um die Stiche zusammen, und das Motiv wellt sich.

Danach bügelst du den Stoff glatt, solange er noch leicht feucht ist.

Für ein Stickbild, das nur an der Wand hängt, kannst du dir das Vorwaschen sparen.

Aida wäschst du in der Regel ebenfalls nicht vor, denn die Appretur macht ihn steif, und genau das hält das Raster beim Zählen in Form.

Leinen franst an frischen Schnittkanten schnell aus, in der Waschmaschine erst recht.

Versäubere die Kanten deshalb vor dem Waschen mit einem Zickzackstich oder schlag sie einmal schmal um und hefte sie fest.

Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert