Eine Linie vom Wasserstift geht in aller Regel spurlos wieder heraus, solange sie zwei Dinge nie erlebt: Wärme, bevor sie ausgewaschen ist, und ein halbherziges Auswaschen mit einem feuchten Tuch.
Die Spuren, die am Ende als bräunlicher Schatten oder blauer Rand im Stoff bleiben, entstehen fast immer an genau diesen Stellen: beim Bügeln über die Vorzeichnung, beim Trocknen mit dem Föhn, durch Waschmittel im ersten Bad oder durch Tupfen statt Baden.
Ein dritter Punkt kommt noch vor allem anderen, und den lassen die meisten aus: ein Probestrich auf einem Rest desselben Stoffs.
Manche Stoffe geben die Farbe schlechter her als andere, und das willst du vor dem Motiv wissen, nicht danach.
Wasserlöslich, luftlöslich oder beides?
Im Laden heißen beide Stiftarten oft Trickmarker, und sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
Der wasserlösliche zeichnet meist blau oder türkis und bleibt auf dem Stoff, bis Wasser ihn löst.
Der luftlösliche zeichnet meist violett und verblasst von selbst, oft schon nach ein bis zwei Tagen.
Für alles, woran du länger als einen Abend stickst, ist der wasserlösliche deshalb die bessere Wahl.
Es gibt auch Stifte mit zwei Spitzen, einer für jede Art, also lohnt der Blick auf die Packung, bevor die erste Linie auf dem Stoff ist.
Ein Stift mit feiner Filzspitze reicht für die meisten Motive, und er gehört zu den Grundsachen, die du zum Sticken wirklich brauchst.
Steck die Kappe nach jeder Pause gleich wieder drauf.
Die Spitze trocknet schnell aus, und ein halb trockener Stift kratzt über den Stoff und zeichnet blass.
Ein Probestreifen, bevor das Motiv drankommt
Der Test auf dem Stoffrest
- Zeichne auf einen Rest desselben Stoffs ein paar Striche, einen dünnen und einen kräftig nachgezogenen.
- Stick über einen der Striche ein paar Stiche mit dem Garn, das du für das Motiv nehmen willst.
- Lass den Rest mindestens über Nacht liegen.
- Leg ihn in kaltes, klares Wasser, bis die Linien verschwunden sind, und lass ihn vollständig trocknen.
- Sieh ihn dir bei Tageslicht von beiden Seiten an, auch unter den Stichen.
Bleibt etwas zurück, liegt es meist an der Appretur, also an der Ausrüstung, mit der viele Stoffe ab Werk glatt und etwas steif gemacht werden.
Einmal Vorwaschen löst sie in der Regel, und warum sich das bei neuem Stoff ohnehin lohnt, steht im Ratgeber zur Stoffwahl.
Hält der Stoff die Linie auch danach noch fest, nimm für ihn lieber einen anderen Stift oder eine andere Methode.
Färbt beim Test dagegen das Garn ins Wasser ab, ist das ein eigenes Problem, und es zeigt sich so gleich mit.
Welche Garnsorten als farbecht gelten und welche du vorsichtiger behandelst, steht im Vergleich der Stickgarne.
So zeichnest du das Motiv vor
Der Stoff ist vorgewaschen, gebügelt und vor allem ganz trocken.
Auf feuchtem Stoff läuft die Tinte an den Fäden entlang, und aus der Linie wird ein unscharfer Streifen.
- Leg die Vorlage unter den Stoff und beides auf eine harte, glatte Unterlage oder gegen ein helles Fenster. Wie das Motiv auch auf Stoffe kommt, durch die nichts durchscheint, findest du bei den sieben Wegen, ein Motiv auf Stoff zu übertragen.
- Kleb Stoff und Vorlage an den Rändern mit ein paar Streifen Klebeband fest, damit nichts verrutscht.
- Halte den Stift locker und zieh die Linien in kurzen, ruhigen Zügen. Je fester du aufdrückst, desto mehr Tinte zieht in den Stoff, und desto breiter und hartnäckiger wird die Linie.
- Zeichne nur, was du später auch stickst. Schattierungen, Hilfslinien und Farbnotizen gehören auf die Papiervorlage, nicht auf den Stoff.
- Bei Flächen, die du dicht füllen willst, reicht der Umriss. Unter vielen Stichlagen braucht die Tinte später länger, bis das Wasser sie herausgespült hat.
- Lass die Linien einen Moment trocknen, bevor du den Stoff einspannst. Wie er dabei glatt und gerade bleibt, steht in der Anleitung zum Spannen des Stoffs im Stickrahmen.
Daneben gezeichnet? Tupf die Linie mit einem Wattestäbchen und klarem Wasser weg, lass die Stelle trocknen und zeichne neu. Um die Stelle bleibt dann oft ein blasser blauer Rand, der beim Bad am Ende mit verschwindet.
Solange das Motiv im Rahmen liegt
Ab jetzt ist Wärme das größte Risiko.
Ein Bügeleisen, ein Föhn, pralle Sonne auf der Fensterbank oder eine heiße Lampe dicht über dem Stoff können die Tinte fixieren.
Dann wird aus dem Blau ein bräunlicher Schatten, den kein Wasser mehr herausholt.
Leg das Projekt in Pausen deshalb in eine Schublade oder einen Beutel statt ins Licht.
Auch Feuchtigkeit wirkt schon während der Arbeit.
Warme Hände lassen die Linie dort verblassen oder verschwimmen, wo du den Stoff festhältst.
Bei Projekten, die sich über Wochen ziehen, wird die Linie manchmal auch von selbst blasser.
Zieh solche Stellen einfach nach, bevor du dort weiterstickst.
Das Bad am Ende
Erst wenn der letzte Stich sitzt, kommt die Vorzeichnung heraus, und zwar mit dem ganzen Stück im Wasser.
- Nimm den Stoff aus dem Rahmen und schneide lose Fadenenden auf der Rückseite ab.
- Füll ein Waschbecken oder eine Schüssel mit kaltem, klarem Wasser, ohne Wasch- oder Spülmittel. Manche Tinten bleiben mit Waschmittel als Schatten im Stoff zurück, wenn sie noch nicht ganz heraus sind.
- Leg die Stickerei hinein, drück sie unter Wasser und schwenk sie ein paar Mal hin und her. Reiben ist nicht nötig, es raut nur die Stiche auf.
- Lass sie etwa eine Viertelstunde liegen. Hat sich das Wasser bläulich gefärbt, gieß es ab und nimm frisches.
- Spül sie zum Schluss unter kaltem, fließendem Wasser, bis auch unter dichten Stichen nichts Blaues mehr zu sehen ist.
- Wring sie nicht aus. Roll sie in ein Handtuch, drück das Wasser heraus und lass sie flach liegend trocknen, ohne Heizung und ohne Föhn.
- Prüf das trockene Stück bei Tageslicht. Erst danach bügelst du es, von links und auf einem weichen Handtuch.
Der Grund, warum Tupfen am Ende nicht reicht, ist simpel.
Wasser nimmt die gelöste Tinte mit und lässt sie dort zurück, wo es zuletzt verdunstet, und das ist der Rand der feuchten Stelle.
Im Bad gibt es keinen solchen Rand, weil der ganze Stoff gleichmäßig nass ist und die Tinte ins Wasser übergeht.
Wenn nach dem Trocknen doch etwas zu sehen ist
- Die blaue Linie ist wieder da: Im Stoff war noch gelöste Tinte, die beim Trocknen an die Oberfläche gewandert ist. Das passiert besonders unter dichten Stichen. Noch einmal ins kalte Bad, länger liegen lassen und gründlicher durchspülen, dann verschwindet sie meist endgültig.
- Ein blauer Ring um eine Stelle: Typisch nach dem Tupfen. Bade das ganze Stück, dann hat die Tinte keinen Rand mehr, an dem sie sich sammeln kann.
- Ein bräunlicher oder gelblicher Schatten: Die Tinte hat Wärme oder Waschmittel abbekommen, bevor sie heraus war. Ein weiteres kaltes Bad holt manchmal noch etwas heraus, oft bleibt aber ein Rest. Liegt er genau auf einer gestickten Linie, kannst du ihn mit einer zweiten Stichreihe abdecken.
- Helles Garn ist bläulich geworden: Weißes und helles Garn saugt die gelöste Tinte auf, wenn es direkt auf der Linie liegt. Solange nichts fixiert wurde, geht sie beim Spülen auch aus dem Garn wieder heraus. Spül so lange, bis das Wasser klar bleibt.
- Die Linie war schon vor dem Sticken weg: Dann war der Stift sehr wahrscheinlich luftlöslich, oder der Stoff war beim Zeichnen nicht ganz trocken.
Wann ein anderer Stift die bessere Wahl ist
Auf dunklem Stoff siehst du die blaue Linie kaum.
Dort brauchst du einen hellen Stift, Schneiderkreide oder ein wasserlösliches Klebevlies, das du bedruckst und aufklebst.
Alles, was kein Wasser verträgt, scheidet ebenfalls aus.
Dazu gehören Stoffe, die nur chemisch gereinigt werden dürfen, manche Seiden- und Viskosestoffe, die Wasserflecken bekommen, und fertige Stücke mit fester Einlage oder Füllung.
Hier ist Seidenpapier, das du nach dem Sticken heraustrennst, der sicherere Weg, oder ein luftlöslicher Stift, wenn du das Motiv zügig fertig stickst.
Seine Stärke spielt der Wasserstift auf hellen, waschbaren Stoffen aus, also auf Leinen, Baumwolle und Mischungen aus beidem.
Am meisten mag ich ihn für Weißstickerei: Unter weißem Garn auf weißem Leinen bleibt die blaue Linie bis zum letzten Stich gut zu sehen, und nach dem Bad ist von ihr nichts mehr übrig.
Wenn dich diese Technik reizt, findest du Ideen dazu unter Weißstickerei.





