Stickgarn-Arten im Vergleich: Baumwolle, Seide, Wolle

Verschiedene Stickgarne aus Baumwolle, Seide und Wolle in Salbei, Ocker und Altrosa neben einem Stickrahmen mit Leinen

Im Bastelladen hängt eine ganze Wand voller Garn, und auf den Banderolen steht Mouliné, Perlgarn, Coton à broder oder Crewelwolle.

Für den Anfang reicht eine einzige Garnsorte völlig.

Trotzdem lohnt es sich zu wissen, was die anderen können.

Das Garn entscheidet mit, ob deine Stickerei flach und glänzend wirkt, weich und plastisch oder fein wie gezeichnet.

Kurz gesagt

Für die meisten Projekte ist Sticktwist aus Baumwolle die beste Wahl.

Er ist günstig, waschbar und lässt sich in einzelne Fäden teilen, sodass du die Linienstärke selbst bestimmst.

Perlgarn nimmst du, wenn eine Linie kräftig und glänzend sein soll.

Seide lohnt sich für feine Schattierungen und edle Stücke, Wolle für weiche, strukturierte Flächen auf festem Stoff.

Baumwolle: das Garn für fast alles

Baumwollgarne sind die Grundausstattung beim Handsticken.

Fast alle Stickgarne aus Baumwolle sind mercerisiert.

Dabei wird die Faser mit Natronlauge behandelt, was ihr einen seidigen Glanz gibt, sie reißfester macht und die Farben leuchtender aufnehmen lässt.

Sticktwist (Mouliné)

Sticktwist besteht aus sechs dünnen Einzelfäden, die nur locker miteinander verdreht sind.

Du ziehst so viele Fäden heraus, wie du brauchst, und legst sie wieder zusammen.

Mit einem oder zwei Fäden stickst du feine Linien und Gesichter, mit drei bis vier kräftige Konturen, mit allen sechs füllst du schnell größere Flächen.

Ein Strängchen ist meist acht Meter lang und in mehreren Hundert Farben erhältlich.

Genau diese Flexibilität macht ihn zum Standard.

Wenn du gerade erst einsteigst und dir die ersten Stiche für Anfänger vornimmst, brauchst du kein anderes Garn.

Perlgarn (Coton perlé)

Perlgarn besteht aus zwei Fäden, die fest miteinander verdreht sind.

Es lässt sich nicht teilen, wirkt dadurch aber rund, plastisch und deutlich glänzender als Sticktwist.

Die Stärke steht als Nummer auf der Banderole: Je höher die Zahl, desto dünner das Garn.

Üblich sind Nr. 3, 5, 8 und 12.

Perlgarn spielt seine Stärken bei Linienstichen wie Kettenstich, Stielstich oder Festonstich aus, weil jeder Stich sauber und gleichmäßig gedreht liegt.

In der Weißstickerei und beim Hardanger ist die Kombination aus Nr. 5 für die Blöcke und Nr. 8 für die feineren Partien ein Klassiker.

Weitere Baumwollgarne

Coton à broder ist ein feines, nicht teilbares Garn mit dezentem Glanz.

Es kommt vor allem in der Weißstickerei und bei Monogrammen zum Einsatz, wo die Stiche dicht und sehr gleichmäßig liegen sollen.

Matte Stickbaumwolle ist dagegen weich, dick und ganz ohne Glanz.

Auf Leinen sieht sie fast wie Wolle aus, lässt sich aber waschen wie Baumwolle.

Seide: Glanz und feine Übergänge

Stickseide ist das edelste der drei Garne.

Sie hat einen tiefen, lebendigen Glanz und ist trotz ihrer Feinheit sehr reißfest.

Es gibt sie als leicht gedrehtes, teilbares Garn, das sich ähnlich wie Sticktwist verarbeiten lässt, und als ungedrehte Flachseide.

Flachseide glänzt am stärksten, verhakt sich aber schnell an rauer Haut und verlangt eine ruhige Hand.

Ihre Stärke liegt in Schattierungen.

Bei der Nadelmalerei mit Lang-und-Kurz-Stich lassen sich Farbübergänge in Seide weicher verlaufen als in jedem anderen Garn.

Auch in der Goldstickerei spielt Seide eine Rolle: Das Metallgarn wird dort traditionell mit feinem Seidenfaden aufgenäht.

Rechne mit einem deutlich höheren Preis als bei Baumwolle.

Für dein erstes Projekt würde ich Seide deshalb weglassen und sie mir für ein Stück aufheben, bei dem der Glanz wirklich zählt.

Wolle: weich, matt und schnell flächig

Wollgarn bringt Volumen und eine warme, matte Oberfläche.

Flächen füllen sich damit schneller, und die Stiche dürfen ruhig etwas unregelmäßig sein, weil die Faser kleine Ungenauigkeiten schluckt.

Typisch sind Stiche wie Lang-und-Kurz-Stich, Knötchenstich oder Fischgrätstich.

Crewelwolle ist eine feine, zweifach gedrehte Wolle für die klassische Wollstickerei auf Leinen oder Leinen-Twill.

Meist stickst du mit einem einzigen Faden.

Gobelinwolle ist dicker und für Stramin gedacht, also das grobe Gittergewebe für Gobelin- und Halbkreuzstich.

Wolle braucht einen festen, nicht zu feinen Stoff und eine Nadel mit großem Öhr, etwa eine Chenillenadel.

Sonst reibt der Stoff die Faser auf, und das Garn wird mit jedem Stich dünner.

Arbeite außerdem mit kürzeren Fadenstücken als bei Baumwolle, weil Wolle beim Durchziehen schneller fusselt.

Effektgarne: Metallic und Viskose

Metallicgarne sind meist Polyesterfäden mit einer glänzenden Folie.

Sie eignen sich für Akzente wie Sterne, Konturen oder einzelne Lichtpunkte, weniger für ganze Flächen.

Weil die Folie leicht aufraut, arbeitest du am besten mit kurzen Fadenstücken und einer Nadel, deren Öhr etwas größer ist als nötig.

Viskosegarn glänzt fast so stark wie Seide und ist günstiger.

Beim Handsticken ist es allerdings rutschig und neigt zum Kringeln, deshalb findest du es vor allem als Maschinenstickgarn.

Stickgarne im direkten Vergleich

GarnFaserTeilbar?WirkungTypischer Einsatz
SticktwistBaumwolleja, 6 Fädenseidig glänzend, flexibelFreestyle, Kreuzstich, fast alles
PerlgarnBaumwolleneinrund, plastisch, starker Glanzkräftige Linien, Weißstickerei, Hardanger
Coton à broderBaumwolleneinfein, dezenter GlanzWeißstickerei, Monogramme
Matte StickbaumwolleBaumwolleneinweich, matt, dickKissen, rustikale Motive auf Leinen
StickseideSeideje nach Sortetiefer Glanz, sehr feinNadelmalerei, edle Stücke, Goldstickerei
CrewelwolleWolleneinmatt, weich, voluminösWollstickerei auf Leinen-Twill
GobelinwolleWolleneindick, matt, deckendStramin, Gobelinstickerei
Metallicgarnmeist Polyesterje nach Sortemetallisch, funkelndAkzente, Sterne, Konturen

Welche Wahl für welche Situation

  • Du fängst gerade an: Sticktwist in fünf bis zehn Farben, dazu das übrige Grundzubehör zum Sticken. Damit kannst du jeden Anfängerstich üben.
  • Die Stickerei kommt auf Kleidung oder Tischwäsche: Baumwolle, weil sie regelmäßiges Waschen am besten verträgt.
  • Du willst klare, kräftige Linien ohne viel Aufwand: Perlgarn Nr. 5 oder Nr. 8. Ein Faden ersetzt hier das Zusammenlegen mehrerer Twistfäden.
  • Du planst ein Stickbild mit feinen Schattierungen: Seide, oder für den ersten Versuch Sticktwist mit nur einem Faden.
  • Du willst Wärme und Struktur, etwa für ein Kissen oder Herbstmotive: Crewelwolle auf festem Leinen.
  • Ein Detail soll funkeln: ein paar Stiche Metallicgarn, kombiniert mit Baumwolle für den Rest.

Welche Stiche zu welchem Garn passen, siehst du in der Übersicht über die wichtigsten Stickstiche.

Grob gilt: Feine Garne vertragen dichte, kleine Stiche, dicke Garne brauchen etwas mehr Platz.

Lenas Tipp: Bevor du dich für ein größeres Projekt auf ein Garn festlegst, stick auf einem Stoffrest dieselbe kurze Linie in Sticktwist, Perlgarn und Wolle.

Der Unterschied in Glanz und Volumen ist auf dem echten Stoff viel deutlicher als an der Wand im Laden.

Waschen und Farbechtheit

Mercerisierte Baumwolle ist am pflegeleichtesten und verträgt in der Regel die normale Wäsche bei 30 bis 40 Grad.

Seide wäschst du besser von Hand, lauwarm und mit mildem Waschmittel.

Wolle gehört nur in kaltes Wasser und darf nicht gerieben werden, sonst verfilzt sie.

Gerade kräftige Rot-, Dunkelblau- und Schwarztöne können beim ersten Waschen ausbluten.

Wenn ein Stück später in die Maschine soll, tauche vorher ein Stück Garn in warmes Wasser und drück es auf ein weißes Küchentuch.

Färbt es ab, wäschst du das Garn vor dem Sticken aus oder wählst eine andere Farbe.

Häufige Fragen

Welches Stickgarn ist für Anfänger am besten?

Sticktwist aus Baumwolle.

Er ist günstig, überall erhältlich, verzeiht Fehler beim Auftrennen und lässt sich in der Stärke anpassen.

Kann ich normale Strickwolle zum Sticken nehmen?

Das geht, ist aber oft mühsam.

Strickwolle ist meist dicker, elastischer und weicher gedreht als Stickwolle, sodass sie beim Durchziehen schnell fusselt.

Auf grobem Stoff oder für Punch Needle funktioniert sie besser als auf feinem Leinen.

Ist Perlgarn dicker als Sticktwist?

Das hängt von der Nummer ab.

Perlgarn Nr. 3 und Nr. 5 sind deutlich kräftiger als zwei oder drei Fäden Sticktwist, Nr. 12 ist dagegen sehr fein.

Darf ich verschiedene Garne in einem Stück mischen?

Ja, das macht eine Stickerei oft erst lebendig, zum Beispiel matte Wolle für die Fläche und glänzendes Perlgarn für die Kontur.

Achte nur darauf, dass alle Garne dieselbe Pflege vertragen, wenn das Stück gewaschen werden soll.

Warum heißt Sticktwist auch Mouliné?

Mouliné ist der französische Name für dieses Garn und steht auf vielen Banderolen.

Gemeint ist dasselbe: sechsfädiges, teilbares Baumwollgarn.

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