Du liebst den sauberen, ruhigen Look von feinen Mustern, möchtest aber nicht, dass es am Ende nach Omas alter Aussteuerkiste aussieht?
Lochstickerei – oder Broderie Anglaise – wirkt sofort modern, wenn man mit den Farben spielt oder die Durchbrüche bewusst grafisch einsetzt.
Hier zeige ich dir, wie du mit Stechahle, Perlgarn und der richtigen Fadenspannung kleine Kunstwerke schaffst, die auf Leinen und feiner Baumwolle richtig gut funktionieren.

Zweifarbiger Blütenkranz auf lavendelgrauem Leinen

Kombiniere voll ausgestickte Flächen mit zarten Durchbrüchen, damit ein Kranz nicht zu schwer wirkt.
Die festen Blüten gelingen wunderbar im Plattstich mit zwei Fäden Sticktwist, während die kleinen Lochstiche dem Motiv Luftigkeit geben.
Auf einem kühlen Lavendelgrau wirken warme Pfirsich- und Cremetöne sofort modern und eignen sich hervorragend für die Vorderseite einer sommerlichen Leinentasche.
Geometrisches Sternenmuster mit ovalen Blütenblättern

Löcher müssen nicht immer rund sein.
Wenn du die Blütenblätter als schmale Ovale anlegst und die Kanten mit einem sehr dichten Überwendlichstich einfasst, entsteht ein tolles, symmetrisches Mandala-Muster.
Naturfarbenes, dicht gewebtes Leinen ist dafür ideal, weil es die starke Fadenspannung der Ränder mühelos aushält, ohne sich zu verziehen.
Krokusblüten mit tropfenförmigen Durchbrüchen

Solche großen Negativflächen brauchen extrem stabile Kanten.
Fasse die Ränder der Tropfen am besten mit einem engen Festonstich ein, bevor du den Stoff in der Mitte wegschneidest.
Das frische Flieder auf weißem Baumwollbatist ist ein wunderschönes Frühlingsmotiv, das sich toll als Detail auf dem Rückenhemdchen eines Sommerkleids macht.
Zarte Sternblüten mit zentralem Lochmuster

Ein absoluter Klassiker der Lochstickerei: Das Zentrum wird nicht geschnitten, sondern nur mit einer Stechahle aufgedehnt und dann fest umstickt.
Das weiche Rosé des Untergrunds lässt das strahlend weiße Garn stark hervortreten.
Achte darauf, die kleinen Blätter im Steppstich flach und glatt zu halten, damit das Auge direkt auf die dunklen, offenen Mitten gelenkt wird.
Stilisierte Tulpen mit großen Negativflächen

Durch die extrem großen Aussparungen im Inneren der Blüten bekommt das Motiv einen fast schon grafischen Art-déco-Charakter.
Hier ist eine sehr spitze, scharfe Stickschere unerlässlich, damit du nah an der Nahtzugabe schneiden kannst, ohne die Haltestiche zu verletzen.
Das warme Korallenrot bildet einen tollen Kontrast zum rustikalen Leinen.
Weißer Margeritenkranz mit gelben Akzenten

Traditionelle Weißstickerei wirkt manchmal etwas streng.
Sobald du aber kleine Farbtupfer wie die blassgelben Knötchenstiche in der Blütenmitte und gelbe Blätter im Plattstich hinzufügst, wird das Design viel verspielter.
So ein feiner Kranz wertet den Rand einer Babydecke oder ein schlichtes Kissen im Skandi-Stil enorm auf.
Rosa Schmuckblüten mit feinen Stegen im Zentrum

Das ist etwas für ruhige Hände: Die gitterartigen Stege im Inneren der Blüte entstehen, indem Spannfäden gezogen und dann dicht umstickt werden, bevor der Stoff darunter weggeschnitten wird.
Der plastische Rand der Blütenblätter hält diese filigrane Netzstruktur auf Spannung.
Wasche so ein Stück später am besten nur vorsichtig mit der Hand.
Weiße Schneeglöckchen auf eisblauem Untergrund

Manchmal reicht schon die optische Illusion von Durchbrüchen.
Die Struktur in den herabhängenden Blütenköpfen bekommst du durch winzige Margeritenstiche oder eine feine Nadelspitzen-Technik hin, ohne den Stoff zu zerschneiden.
Der eisblaue Hintergrund fängt die kühle Winterstimmung der Schneeglöckchen perfekt ein.
Zweifarbiges Stiefmütterchen mit durchbrochenen Blättern

Nutze die natürliche Form der Blume: Stiefmütterchen eignen sich super, um nur die unteren Blütenblätter als Lochmuster zu arbeiten und die oberen im dichten Plattstich zu belassen.
Das gibt dem Motiv ein spannendes Gewicht.
Das cremige Gelb auf dem ungefärbten Leinen wirkt sehr edel und unaufdringlich.
Wicken mit filigraner Netzfüllung

Wicken sehen unglaublich zart aus, wenn du die massiven Farbflächen durch durchbrochene Gittermuster ersetzt.
Wichtig ist hier ein absolut stramm gespannter Stickrahmen – wenn der Stoff auch nur ein bisschen nachgibt, verziehen sich die feinen Stege im Inneren der lila Blüten.
Ein tolles Motiv für ein aufwendiges Ringkissen oder eine besondere Grußkarte.
Kompakte Hortensie aus unzähligen kleinen Ösen

Ein echtes Fleißprojekt: Die üppige Hortensienblüte baut sich komplett aus winzigen, gestochenen Löchern auf.
Nimm dafür unbedingt eine Stechahle, um die Gewebefäden nur zur Seite zu drängen, statt sie zu durchtrennen – das macht die kleinen Ösen viel stabiler.
Der hellblaue Farbverlauf im Garn gibt der großen Kugel ihre Dreidimensionalität.
Pfirsichfarbene Blütenzweige auf rustikalem Leinen

Lochstickerei muss nicht immer im Mittelpunkt stehen.
Hier bildet das winzige, dunkel eingefasste Loch nur das Zentrum der Blüte, während der sanfte Lang-und-Kurz-Stich die weichen Blätter formt.
Der Kontrast zwischen der romantischen, pfirsichfarbenen Ranke und dem groben, naturbelassenen Leinen macht den Reiz aus – perfekt für ein Tischset.
Große Weißstickerei-Rose auf feinem Karostoff

Auf halbtransparenten Stoffen wie diesem Voile oder Batist verzeiht die Technik keine Fehler auf der Rückseite.
Die großen, zentralen Lochstiche verankern die schweren, im Plattstich gestickten Rosenblätter.
Ein Perlgarn (Stärke 8 oder 12) gibt den Rändern hier einen schönen, subtilen Glanz und viel Stabilität.
Gelber Blütenkreis mit tiefgrünem Hintergrund

Diese Technik ist verwandt mit der Negativ-Applikation.
Wenn du die ausgeschnittenen Flächen hinterher mit einem dunklen, kontrastierenden Stoff (wie einem tiefgrünen Samt oder Baumwollstoff) hinterlegst, leuchtet das blassgelbe Garn extrem intensiv.
Das erfordert sehr saubere Schlingstiche an den Rändern, damit der Übergang perfekt wird.
Maiglöckchen mit dunklen Durchbrüchen

Die kleinen Kelche der Maiglöckchen sind wie gemacht für Durchbrüche.
Die dreieckige Form der Schnitte bringt eine schöne Schärfe in das sonst sehr weiche, mintgrüne Blattwerk.
Wenn du das Ganze noch mit einem dezenten Hohlsaum umrandest, hast du eine klassische, sehr hochwertige Leinenserviette geschaffen.
Violetter Blütenwirbel auf transparentem Gewebe

Organza oder dünne Seide zu besticken, erfordert etwas Übung, weil der Stoff extrem rutschig ist.
Die kleinen Löcher in den lilafarbenen Blütenmitten wirken hier fast schwerelos.
Du musst jeden Faden sauber vernähen, da auf der Rückseite alles durchscheint.
Eignet sich wunderbar als Einsatz in einem leichten Sommerkleid.
Geschwungene rosa Ranken mit gelochten Blättern

Statt das Blattwerk massiv auszufüllen, macht die Tropfenform der kleinen Lochstiche das ganze Motiv viel leichter und moderner.
Arbeite hier am besten nur mit einem einzigen Faden Sticktwist, damit die filigranen Ränder an den Spitzen der Blätter nicht zu klobig werden.
Die Bewegung der Ranken passt toll auf den Ausschnitt einer Bluse.
Minimalistischer Ring aus weißen Margeriten

Eine Lektion in Zurückhaltung: Weiße Blütenblätter auf weißem Stoff, die nur durch das einzige, perfekt runde Loch in der Mitte definiert werden.
Spannst du den Stoff später über einen dunklen Hintergrund oder trägst die Bluse über einem dunklen Top, poppen die Zentren wunderbar auf.
Einfach, sauber und hochgradig elegant.
